Video "Kommunikation und ihre Auswirkungen"
Einblick in das Forschungsprojekt OptiKomm
Mit maßgeblicher Unterstützung der Dr. med. Helene-Charlotte Wolf-Stiftung konnte an der Medizinischen Fakultät OWL der Universität Bielefeld das Projekt OptiKomm umgesetzt werden. Ziel ist es, eine verständliche und respektvolle Kommunikation im medizinischen Alltag zu stärken und damit die Versorgung spürbar zu verbessern. Das Besondere: OptiKomm wurde gemeinsam mit Menschen mit kognitiven und/oder sprachlichen Beeinträchtigungen entwickelt und konsequent an ihren Bedürfnissen ausgerichtet. Die nun vorliegende Online-Schulung, die auch Materialien zur Unterstützten Kommunikation sowie Lehr- und Lernvideos umfasst, bietet praxisnahe Strategien für eine wertschätzende, barrierearme Kommunikation und kommt damit letztlich allen Patientinnen und Patienten zugute.
20. Mai 2026
Viele Menschen mit kognitiven und/oder sprachlichen Beeinträchtigungen erleben Arztbesuche als besonders belastend: Ungewohnte Umgebungen, medizinische Untersuchungen und Zeitdruck können Stress und Verunsicherung auslösen. Oft wird nicht genug Zeit oder Geduld aufgebracht, um auf individuelle Bedürfnisse einzugehen oder vertraute Personen einzubeziehen. Oder aber die Kommunikation richtet sich ausschließlich an die Begleitung statt an die Betroffenen selbst – sie fühlen sich übergangen oder nicht ernst genommen. Gerade in solchen Momenten ist jedoch eine einfühlsame, verständliche und geduldige Kommunikation entscheidend, um Vertrauen und Verständnis zwischen Patientinnen, Patienten und medizinischem Personal aufzubauen und eine gute Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Das von der Dr. med. Helene-Charlotte Wolf-Stiftung bis 2025 geförderte Projekt OptiKomm setzt genau hier an. Ziel war es, unter anderem eine Online-Schulung für medizinisches Personal zu entwickeln. Diese vermittelt praxisnahe Strategien für verständliche, wertschätzende und barrierearme Kommunikation und sensibilisiert für die besonderen Bedarfe von kommunikationsbeeinträchtigten Personen, die so vielfältig sind wie die Betroffenen. Besonders wichtig war es, die Perspektiven der Menschen einzubeziehen, die selbst Kommunikationsbeeinträchtigungen haben, um eine möglichst praxisnahe Schulung zu schaffen. Davon profitieren nicht nur Patientinnen und Patienten mit Einschränkungen, sondern alle gleichermaßen.
Zu Beginn der Schulungsentwicklung wurde ein inklusiver Beirat gegründet. Vier Mitglieder mit unterschiedlichen kognitiven, sprachlichen und physischen Beeinträchtigungen brachten ihre Expertise aus eigenen Erfahrungen aktiv in die Entwicklung der Schulung mit ein. Die Mitglieder des inklusiven Beirats:
Ein zentrales Element der Schulung sind Videoausschnitte, in denen Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen von ihren Erfahrungen im Gesundheitswesen berichten. Die Videos sensibilisieren zudem dafür, nicht vom äußeren Erscheinungsbild auf die kognitiven Fähigkeiten einer Person zu schließen, sondern allen Menschen individuell und offen zu begegnen. Auch Beiratsmitglieder kommen zu Wort. Antonia von Reden berichtet: "Wir haben konkret anhand von Beispielen erzählt, was wir in Arzt-Patient-Situationen erlebt haben, und überlegt, wie der Arzt besser auf den Patienten zugehen kann."
Das Besondere an OptiKomm: Es wird nicht über, sondern mit den Betroffenen gesprochen und zusammengearbeitet. Die Arbeit im Projekt war geprägt von Offenheit, Transparenz, Lernbereitschaft und gegenseitigem Respekt. Dabei zeigte sich, dass partizipative Zusammenarbeit besonders gut funktioniert, wenn Vertrauen, Zeit, Barrierefreiheit und echte Mitgestaltung möglich sind. Silke Bleckert, ebenfalls Beiratsmitglied, fasst es so zusammen: "Dass die Barrieren zwischen Wissenschaftlerinnen und uns Beeinträchtigten gar nicht so hoch sein müssen. Ihr seid uns auf Augenhöhe begegnet, das war schön."
Das Projektteam hat gemeinsam mit zwei Mitgliedern des inklusiven Beirats ein Working Paper zum Thema Partizipative Zusammenarbeit entwickelt und veröffentlicht:
Ottersbach, K.; Kühnel, L.; Lätzsch, R.; von Reden, A.; Bleckert, S.; Hornberg, C. (2025): Partizipative Zusammenarbeit im Projekt OptiKomm: Optimierte Kommunikation bei der medizinischen Versorgung von Menschen mit leichtgradigen kognitiven Beeinträchtigungen und/oder Sprach(entwicklungs)störungen (OptiKomm), Working Paper Projekt OptiKomm, 5.
Damit endet die Arbeit aber noch lange nicht. Eine bessere Sichtbarkeit der Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen zu erreichen, dafür setzen sich die Mitglieder des inklusiven und des wissenschaftlichen Beirats auch weiterhin ein.
ist Stiftungsmanagerin und stellvertretende Leiterin des Teams "Stiftungsmanagement Region Nord".
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