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Ein gewollter Filmriss

28.10.2021

Die Hamburger Biologin Mirja Anne Gudzuhn, Stipendiatin der Rahn-Quade-Stiftung, forscht zu Substanzen, die den Biofilm von Bakterien zerstören und damit perspektivisch etwa zur Bekämpfung resistenter Krankenhauskeime beitragen könnten.

Expertinnen und Experten malen ein Schreckensszenario an die Wand, wenn sie den so harmlos klingenden lateinischen Begriff Stenotrophomonas maltophilia hören: Das Bakterium gehört zu den Krankenhauskeimen, die zunehmend resistent gegen eine Vielzahl von Antibiotika sind. Zudem kann es verschiedene Oberflächen wie Wunden, Katheter oder Implantate mit stabilen, wenig angreifbaren Schleimen überziehen, den sogenannten Biofilmen. Biofilme schützen die Bakterien zusätzlich und stellen in der Medizin, aber auch in der Technik (zum Beispiel in Kläranlagen), ein immer größer werdendes Problem dar.

Mirja Anne Gudzuhn vom Fachbereich Biologie der Universität Hamburg hat sich daher, unterstützt von ihrem Doktorvater Prof. Dr. Wolfgang Streit und von einem Stipendium der Rahn-Quade-Stiftung, auf die Suche nach Substanzen gemacht, die diese Biofilme attackieren, also quasi einen Filmriss herbeiführen. Gefunden hat sie diese in Form von Diocinolen und Rubroliden, chemischen Substanzen, die als Stoffwechselprodukte von Pilzen und verschiedenen Meeresorganismen isoliert werden können. Zumindest in Laborexperimenten waren beide Stoffklassen in der Lage, die Biofilme poröser zu machen und so die Bakterien abzutöten.

Ob sich diese Ergebnisse auch auf reale Situationen bei erkrankten Menschen übertragen lassen und dann ein Medikament entwickelt werden kann, wird die Zukunft zeigen. Ein erster Schritt ist gemacht.

Beispiel Diorcinol I: Setzt man einem Biofilm von S. maltophilia diese Substanz zu, sterben die meisten Zellen innerhalb von 72 Stunden (rot) ab. In der Kontrollgruppe überleben sie (grün).

Die Rahn-Quade-Stiftung wurde 2008 von den Eheleuten Gunter und Christel Rahn (geb. Quade) aus Lüneburg errichtet. Die Stiftung unterstützt die naturwissenschaftliche Bildung von Schülerinnen und Schülern und fördert Wissenschaft und Forschung im Bereich der Mikrobiologie, zum Beispiel an der Universität Münster und der Universität Hamburg.