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Schilling-Professur am UKJ für Neuroimmunologe Christian Geis

07.06.2019

Die Hermann und Lilly Schilling-Stiftung fördert die Einrichtung einer Forschungsgruppe für translationale Neurowissenschaften an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Jena (UKJ). Die Gruppe widmet sich der Erforschung sowohl der zellulären Prozesse von immunvermittelten Erkrankungen des Nervensystems als auch neuen Ansätzen in der Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen.

Auf die mit der Leitung der Gruppe verbundene Schilling-Professur wurde Prof. Dr. Christian Geis berufen.

Jede der etwa 100 Milliarden Nervenzellen, aus denen unser Nervensystem besteht, hat schätzungsweise 1000 Verknüpfungen mit anderen Nerven- oder auch anderen Körperzellen. Erst diese Schaltstellen zwischen den Zellen, die Synapsen, machen das Nervensystem zu unserem universellen Zentralrechner. Entsprechend fatal können sich Krankheitsprozesse auswirken, die die Bildung oder Funktion von Synapsen beeinträchtigen. Eine Vielzahl neurologischer und auch psychiatrischer Erkrankungen gehört dazu. "Unser Augenmerk liegt auf den Synaptopathien, die durch Entzündungsprozesse verursacht werden", so Prof. Dr. Christian Geis, der jetzt zum Professor für Neurologie und Translationale Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Jena ernannt wurde. Die Hermann und Lilly Schilling-Stiftung fördert die Professur und die zugehörige Arbeitsgruppe mit insgesamt drei Millionen Euro in den kommenden acht Jahren.

Ein Forschungsschwerpunkt von Christian Geis sind autoimmun-bedingte Gehirnentzündungen, die sich unter anderem mit psychotischen Symptomen, Epilepsie und Gedächtnisstörungen manifestieren können und bei denen sich das Immunsystem gezielt gegen bestimmte Neurotransmitter-Rezeptoren an den Synapsen wendet. Zur Untersuchung der Rezeptorfunktionen setzt er dabei auch modernste Bildgebungs- und Messmethoden ein, wie höchstauflösende Fluoreszenzmikroskopie und elektrophysiologische Techniken. Zu entzündungsbedingten Schädigungen an Synapsen kommt es auch bei systemischen Erkrankungen wie einer Sepsis und bei Alterungs- und degenerativen Prozessen. Die Schilling-Forschungsgruppe wird im Labor die jeweiligen grundlegenden Mechanismen der synaptischen Störung analysieren.

Foto: UKJ
Prof. Dr. Christian Geis

Überregionales Zentrum für Neuroimmunologie

Die Ergebnisse sollen dann unmittelbar in die Entwicklung neuer Therapiestrategien und in klinische Studien münden. Dafür wird die Forschungsgruppe vom UKJ um Studien- und ärztliche Mitarbeiter ergänzt, so dass sie als neu gegründete Sektion für Translationale Neuroimmunologie in der Klinik für Neurologie in die Patientenversorgung eingebunden ist. Dazu wird eine tägliche Spezialambulanz für neuroimmunologische Erkrankungen eingerichtet. "Die Sektion ist einzigartig in Deutschland. Sie passt bestens in das wissenschaftliche Profil des Universitätsklinikums und soll für Thüringen und darüber hinaus ein überregionales Zentrum für Neuroimmunologie etablieren", betont Prof. Dr. Otto W. Witte, Direktor der Klinik für Neurologie.

Sein Medizinstudium und die Facharztausbildung zum Neurologen absolvierte Christian Geis in Würzburg am Universitätsklinikum, wo er sich zu Autoimmunerkrankungen des Nervensystems habilitierte. 2012 wurde er zum Professor am Universitätsklinikum Jena berufen, hier arbeitet er im Vorstand des Zentrums für Sepsis und Sepsisfolgen mit, leitet ein Teilprojekt des Sonderforschungsbereiches ReceptorLight und war bislang Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Neurologie. "Immunvermittelte synaptische Übertragungsstörungen im Gehirn sind neue und zunehmend relevante Erkrankungen. Mit der Förderung dieser Translationalen Forschungsgruppe durch die Schilling-Stiftung haben wir exzellente Möglichkeiten, diese Erkrankungen von Grund auf besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln", so der 42-jährige Schilling-Professor.

Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Prodekan für Forschung der Medizinischen Fakultät ergänzt: "Mit der Verbindung der Schwerpunktthemen Sepsis, Altern und Photonik stärken die Schilling-Professur und die translational ausgerichtete Forschungsgruppe das wissenschaftliche Profil des Jenaer Universitätsklinikums. Die enge Verflechtung von Forschung und Klinik in der neuen Sektion ist von besonderer Bedeutung für die schnelle Überführung neuer Ergebnisse in die Versorgung der Patienten."

Die Hermann und Lilly Schilling-Stiftung für Medizinische Forschung, die vom Stifterverband treuhänderisch verwaltet und vom Deutschen Stiftungszentrum betreut wird, fördert mit ihrem Programm Translationale Neurowissenschaften kliniknahe Grundlagenforschung an Universitätskliniken. Dadurch sollen die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Arbeit ausgebaut und zur Anwendung gebracht werden. Aktuell fördert die Hermann und Lilly Schilling-Stiftung Schilling-Professuren und Sektionen an den Universitätskliniken in Göttingen, Hamburg, Rostock und Jena.

Pressekontakt

Anke Meis

ist Leiterin des Bereiches "Kommunikation & Marketing" im Deutschen Stiftungszentrum.

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F 0201 8401-255

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