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Für eine bessere Verwaltung und weniger Bürokratie

03.06.2019

Zum dritten Mal wurde der Wissenschaftspreis Bürokratie vergeben. Die beiden ausgezeichneten Forscherteams untersuchten Verwaltungsdesaster wie die Loveparade und beschäftigten sich mit Behördenabläufen zum Thema Migration und Integration.

Der mit insgesamt 5.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis Bürokratie soll dabei helfen, etwas sehr Deutschem abzuhelfen: dem Hang zu Bürokratie. Verliehen wird er seit 2015, gestiftet wurde er von Fritz Hellwig, Gründungsdirektor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW). Die Jury prämiert Forschungsergebnisse, die untersuchen, wie "Regulierungs- und Verwaltungsvorschriften das Marktgeschehen überwuchern", lautet das Ansinnen des 2017 verstorbenen Stifters, der von 1967 an Vizepräsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaft war.

In diesem Jahr hat die fünfköpfige Jury zwei Forscherteams ausgezeichnet: Die Gemeinschaftsarbeit von Wolfgang Seibel, Kevin Klamann und Hannah Treis befasst sich anhand von praktischen Fällen mit den Ursachen von Verwaltungsversagen. Nicht bürokratische Regeln seien jeweils schuld an Unglücken wie der Loveparade 2010 oder den NSU-Ermittlungen gewesen, sondern bewusste Entscheidungen verantwortlicher Personen, die ihren eigenen Zielen Priorität gaben, schreiben die Wissenschaftler.

Die zweite ausgezeichnete Arbeit stammt von gleich sechs Autoren: Jörg Bogumil, Martin Burgi, Sabine Kuhlmann, Jonas Hafner, Moritz Heuberger und Christoph Krönke. Sie widmen sich der Verwaltung der Migrations- und Integrationspolitik. Laut der Jury leisten sie damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Verwaltungsproblemen. Die Autoren kritisieren vor allem die ungleiche Verteilung von Kompetenzen zwischen Bund und Ländern sowie die mangelnde Kommunikation zwischen den verschiedenen Behörden. Zudem präsentieren die Forscher Reformvorschläge.

Die Festrede hielt in diesem Jahr der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert: "So populär und zuweilen nachvollziehbar die Kritik an der Bürokratie einerseits ist, so unauflösbar ist andererseits der Zusammenhang zwischen einem demokratischen Rechtsstaat und einer verlässlichen Verwaltung."

Die Jury des Wissenschaftspreis Bürokratie bestand in diesem Jahr aus Martin Hellwig, Sohn des Preisstifters und emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Bonn, Renate Mayntz, emeritierte Direktorin des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung Köln, Gabriele C. Klug, Stadtkämmerin a.D. der Stadt Köln, Daniel Zimmer, Direktor des Instituts für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, und IW-Direktor Michael Hüther. Die Geschäftsführung für die Auszeichnung liegt beim IW, das sie gemeinsam mit der Stiftung Wissenschaftspreis Bürokratie vergibt.

Die Stiftung Wissenschaftspreis Bürokratie wurde 2012 von Fritz Hellwig als Treuhandstiftung unter dem Dach des Stifterverbandes errichtet. Fritz Hellwig hat im Laufe seines Lebens wiederholt zu wirtschaftsgeschichtlichen, wirtschaftspolitischen und europapolitischen Themen Veröffentlichungen vorgelegt und Vorträge gehalten. Er hat dabei immer wieder die Erfahrungen der Geschichte für Antworten auf Fragen von heute fruchtbar gemacht. Seine vom Institut der deutschen Wirtschaft geführte Bibliographie weist über 700 Titel aus. Der von ihm gestiftete Wissenschaftspreis Bürokratie geht auf seine Erfahrung zurück, dass das Handeln von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft mehr und mehr von einer dahinter stehenden Bürokratie beeinflusst wird. Der Preis will dazu anregen, die Funktionsweise und Wirkung von Bürokratie in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zu erforschen.

Pressekontakt

Anke Meis

ist Leiterin des Bereiches "Kommunikation & Marketing" im Deutschen Stiftungszentrum.

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