Ein Tochterunternehmen des Stifterverbandes Alle Seiten

Ein Tochterunternehmen des Stifterverbandes

Navigation schliessen
Alt text

Das seltsame Verhalten von Cäsium-Atomen

20.04.2018

Dr. Andrea Alberti erhält den diesjährigen Rudolf-Kaiser-Preis, einen der wichtigsten deutschen Förderpreise für Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Physik.

Foto: Dr. Gallego

Andrea Alberti wird für seine "richtungsweisenden Arbeiten zu zeitdiskreten Quanten-Walks" ausgezeichnet, insbesondere für seine 2015 im Fachmagazin "Physical Review X" erschienene Arbeit zu "idealen negativen Messungen", mit denen er nachgewiesen hat, dass sich Cäsium-Atome "nicht makrorealistisch" verhalten. Die Schlüsselarbeit von Dr. Alberti verallgemeinert die Idee des klassischen Galton-Bretts auf die Aufspaltung und anschließende Interferenz der Pfade von Quantenobjekten, hier von Pfaden eines Cäsium-Atoms.

Alberti zeigt, dass allein der Versuch, ein Teilchen zu vermessen, ausreicht, dieses Teilchen zu beeinflussen. Dieses gilt selbst dann, wenn das Teilchen gar nicht detektiert wird. Diese Aussage erscheint uns nicht nur in der makroskopischen Welt völlig unlogisch. Sie widerspricht auch dem sogenannten Makrorealismus, der Teilchen auch innerhalb der quantenmechanischen Welt bestimmte makroskopische Eigenschaften zuweist. Die Jury des den mit 35.000 Euro dotierten Rudolf-Kaiser-Preises würdigt damit eine Arbeit, die "mit ihrer konzeptuellen Klarheit fast schon Lehrbuchcharakter" besitzt, allein eine einzige Interpretation zulässt, und andere Theorien eindeutig falsifiziert.

Der Preisträger Andrea Alberti wuchs in Ligurien auf, studierte Physik an der Universität Pisa und promovierte an der Universität Florenz zu Transportmechanismen in optischen Gittern. Von 2011 bis 2013 war er Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung. Er arbeitet und forscht derzeit als Senior Scientist am Institut für Angewandte Physik der Universität Bonn, und zwar unter der Leitung von Dieter Meschede, dem ersten Preisträger des Rudolf-Kaiser-Preises (1989).

Der Rudolf-Kaiser-Preis wird seit 1989 an deutsche Experimentalphysiker vergeben, die mehrere sehr gute Arbeiten publiziert haben, jedoch noch auf keinen Lehrstuhl berufen wurden. Nach Willen des Stifters werden insbesondere die herausragenden  Arbeiten prämiert, die nicht "mit großen Maschinen" in Großforschungsanlagen entstanden sind. Viele der Wissenschaftler, die mit dem Kaiser-Preis ausgezeichnet wurden, sind heute weltweit geachtete, hochdekorierte Wissenschaftler.

Die Rudolf-Kaiser-Stiftung wurde im Jahr 1987 durch Dr. Rudolf Kaiser gegründet und wird vom Stifterverband betreut. Rudolf Kaiser wurde 1923 in Nürnberg geboren, war über viele Jahre Vorsitzender Richter am Bundespatentamt und habilitierte sich 1979 in Experimentalphysik an der TU München. Dort widmete er sich vor allem der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

 

Pressekontakt

Anke Meis

ist Leiterin des Bereiches "Kommunikation & Marketing" im Deutschen Stiftungszentrum.

T 0201 8401-204
F 0201 8401-255

E-Mail senden

Klaus Kuli

ist Stiftungsmanager im Team "Wissenschaft und Umwelt" im Deutschen Stiftungszentrum.

T 0201 8401-160
F 0201 8401-255

E-Mail senden