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Kleiner Betrag, große Wirkung – Mikrokredite gegen Armut

Unternehmerische Eigeninitiative in Entwicklungsländern kann die Situation armer Bevölkerungsschichten verbessern – und somit auch Flucht vor Armut und Perspektivlosigkeit verhindern. Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, ist der Zugang zu Mikrokrediten. Dafür setzt sich zum Beispiel die AFOS-Stiftung erfolgreich ein.

Beitrag von Dr. Katharina Franziska Braig LL.M. und Dr. Stefan Stolte

Ende 2016 waren dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht – viele davon in Afrika. Hier setzt die Arbeit der im Jahr 2003 gegründeten AFOS-Stiftung für Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit an. Die Gründer dieser vom Deutschen Stiftungszentrum (DSZ) im Stifterverband verwalteten Stiftung sind davon überzeugt, dass ein besserer Schutz der Armen und Ärmsten vor Migrationsdruck in ihren Heimatländern möglich ist. Jedoch nur dann, wenn Hilfsmittel dort eingesetzt werden, wo sie trotz wenig hilfreicher Rahmenbedingungen zielgerichtet verwendet werden und wo sie mit lokaler unternehmerischer Initiative dem Wohl gerade der ärmeren ländlichen Bevölkerung, einschließlich der sogenannten "Working Poor", dienen können.

Daher hat sich die AFOS-Stiftung zum Ziel gesetzt, die unternehmerische Eigeninitiative ihrer Zielgruppen – insbesondere unter den Jugendlichen im ländlichen Raum – entlang der Agrarwertschöpfungsketten zu unterstützen. So fördert die Stiftung zum Beispiel in Nigeria den Zugang ärmster Menschen zu Mikrokrediten.

Foto: AFOS-Stiftung
Eigenes Geschäft dank Mikrokredit: Diese Frau in Nigeria hat es geschafft.

Motoren für nachhaltige Wertschöpfung

Zu den fünf Mikrofinanzinstitutionen, deren Entwicklung die AFOS-Stiftung begleitet hat, zählt auch die LAPO (Lift Above Poverty Organisation). Diese hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre der Zusammenarbeit von einem Unternehmen mit 43.000 Kunden und gut 300 Mitarbeitern hin zur führenden nigerianischen Mikrofinanzbank entwickelt, mit fast drei Millionen Kunden – über 90 Prozent davon sind Frauen – und über 8.000 Mitarbeitern. Die Gründer der Stiftung – allesamt Mitglieder des Bundes Katholischer Unternehmer – sind sich sicher, dass verantwortliche Unternehmer bedeutende Motoren für eine nachhaltige Wertschöpfungsgenerierung sind.

In der Tat spricht einiges dafür, sich als Stiftung oder Philanthrop in Entwicklungsländern zu engagieren, zumal sich die zentralen Herausforderungen unserer Zeit nur auf globaler Ebene wirksam meistern lassen. Der gezielte und kontrollierte Einsatz von Stiftungsmitteln in Entwicklungsländern kann große Wirkungen erzielen. Dies hat die Bundesregierung erkannt und bietet Stiftungen, die sich im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit engagieren möchten, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Diese hat die AFOS-Stiftung ergriffen und dadurch in den vergangenen Jahren für die Umsetzung ihrer Arbeit ca. fünf Millionen Euro erhalten. Zum einen kamen diese finanziellen Mittel direkt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

 

Leitbild der sozialen Marktwirtschaft

Zum anderen ist die sequa gGmbH in Bonn seit Jahren bewährter Partner bei der Administration der AFOS-Stiftung. Diese weltweit tätige Entwicklungsorganisation unterstützt seit 1991 in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft die Entwicklung des Privatsektors und seiner Einrichtungen sowie die Qualifizierung von Fach- und Führungskräften in Ländern der Entwicklungszusammenarbeit. Dabei orientieren sich die Programme und Projekte der sequa am Leitbild der sozialen Marktwirtschaft. Dementsprechend sind die wichtigsten Projektpartner der sequa Kammern, Verbände, Bildungseinrichtungen und Unternehmen. Gesellschafter sind die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (BDA, BDI, DIHK, ZDH) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

 

Stiftungen leisten Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen

Einer der Hintergründe des Engagements der Bundesregierung ist die Präambel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die fünf Kernbotschaften benennt: die Würde des Menschen im Mittelpunkt (People), der Schutz des Planeten (Planet), die Förderung des Wohlstandes für alle (Prosperity), Friedensförderung (Peace), der Aufbau globaler Partnerschaften (Partnership) – kurz: die "5 P". Die Politik des BMZ orientiert sich an diesen Kernbotschaften, die den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals – SDGs) als handlungsleitende Prinzipien vorangestellt sind.

Diese SDGs – das erste davon postuliert die Beendigung der Armut in jeder Form und überall – sind sehr ambitioniert. Sie lassen sich nur durch gemeinsame Anstrengungen von Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft gestalten. Das Beispiel der AFOS-Stiftung zeigt, dass hier insbesondere Stiftungen und Philanthropen als bedeutender und wirkungsvoll tätiger Teil der deutschen Zivilgesellschaft einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leisten können.

 

Kontakt

Dr. Katharina Franziska Braig

ist EZ-Scout beim Deutschen Stiftungszentrum im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

T 0201 8401-176
F 0201 8401-255

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RA Dr. Stefan Stolte

ist Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Stiftungszentrums und leitet dort den Bereich "Stiftungsmanagement".

T 0201 8401-116
F 0201 8401-255

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