Die Progression von Demenz wird nicht nur von biologischen Faktoren beeinflusst, sondern auch von der Qualität der Pflege, die die Betroffenen erfahren. Die Bindung zu einem geliebten Menschen wirkt sich positiv aus. Angehörige von Demenzkranken stehen jedoch oft vor emotionalen, körperlichen, finanziellen und sozialen Herausforderungen, die zu einer enormen Stressbelastung, zu Erschöpfung und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können. Tatsächlich erfolgen Heimeinweisungen zu einem großen Prozentsatz nicht aufgrund objektiver Pflegebedürftigkeit der Patientinnen und Patienten – sondern aufgrund von Überlastung der Angehörigen.
Das Team um Dr. Heidemarie Haller, Prof. Dr. Gustav Dobos, Univ.-Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz und Dr. Iris Trender-Gerhard der Universitätsmedizin Essen entwickeln aus diesem Grund ein Mind-Body-Programm zur Förderung der Gesundheitskompetenz und mentalen Gesundheit von Pflegepersonen. Ziel ist es, die Resilienz der Angehörigen zu stärken und ihre wahrgenommene Belastung, die sogenannte Caregiver Burden, zu reduzieren. Dabei werden Pflege- und Selbsthilfestrategien aus der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) sowie der achtsamkeitsbasierten Mind-Body-Medizin vermittelt: Massagetechniken an Hand und Fuß, schlaffördernde Wickel und Auflagen, sanfte Schröpfkopfmassage, Aromatherapie und Akupressur. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Nervensystem zu regulieren und ermöglichen eine Zuwendung, die über alltägliche Pflegeroutinen weit hinausgeht. Ergänzt um Yoga und craniosacrale Selbsthilfetechniken sollen sie den Pflegenden helfen, Stress abzubauen. In einer randomisiert-kontrollierten Studie wird dieses Konzept mit einer reinen Psychoedukation verglichen. Ein Vorteil des komplementärmedizinischen Konzepts könnte in seiner ausgeprägteren körperlichen Dimension und die damit verbundene, unmittelbare Erfahrung der Selbstwirksamkeit liegen. 140 Probandinnen und Probanden, die Angehörige mit Demenz zuhause pflegen und eine mindestens mäßige Stress-Belastung aufweisen, werden die Intervention über sechs Monate durchführen, die Nachbeobachtungszeit beträgt zwölf Monate. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt.