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Die Carretero Stiftung

"Die Kunsttäter wurden 2000 gegründet mit dem Motiv, gegen Straffälligkeit künstlerisch einzuwirken. Diese Jungs sind nicht nur kriminell, sie haben auch künstlerisches Potenzial."

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Hans Wagener hat zusammen mit seiner Frau die Carretero Stiftung gegründet, um bildungsfernen Jugendlichen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen oder zumindest zu erleichtern. Der Film zeigt ein besonderes Projekt, das die Carretero Stiftung fördert: Bei den Kunsttätern erhalten straffällige Jugendliche die Chance, sich künstlerisch zu betätigen.

Ein Film von Kimberly Bolz, Natalie Kosmider, Katharina Krause, Alexander Lückmann, Julia Pluta

Transkript des Videos

Mein Name ist Hans Wagener. Ich habe 2008 zusammen mit meiner Frau die Carretero Stiftung gegründet, weil wir der Meinung waren, dass wir bildungsfernen Jugendlichen den Zugang zu Bildung ermöglichen oder zumindest erleichtern sollten. Die Carretero-Stiftung ist relativ einfach erklärt. Meine Frau und ich finden es nicht so wichtig, dass unser Name irgendwo erscheint, aber trotzdem soll eine bestimmte Affinität da sein, und Carretero heißt nix anderes als spanisch Wagener. Das Synonym für unsere Familie. Ich war, als ich noch berufstätig war, jahrelang im Vorstand der PwC-Stiftung Jugend - Bildung - Kultur, die vom Stifterverband und vom Deutschen Stiftungszentrum betreut wurde, und habe deshalb diese Gelegenheit gesehen, auch für meine private Stiftung oder für unsere private Stiftung dieses System zu nutzen, und wir fühlen uns da ganz gut betreut und von vielem überflüssigen Verwaltungsaufwand befreit, so dass wir uns um unsere Stiftung intensiv kümmern können. Das Projekt "Kunsttäter" ist uns natürlich aufgefallen durch die vielen Skulpturen hier im Park. Und wir haben dann darüber in der Zeitung gelesen, und ich habe mich dann mit dem Herrn Hett zusammengesetzt, weil mich das ganze überzeugt hat.

Mein Name ist Andreas Hett. Ich bin Kunsttherapeut, Diplom-Sozialarbeiter und noch Heilpraktiker für Physiotherapie, also ich vereine drei Berufsbilder in einem. Also hat dieses Projekt eine psychologische, soziale und künstlerische Komponente. Die "Kunsttäter" wurden 2000 gegründet mit dem Motiv, gegen Straffälligkeit künstlerisch einzuwirken und öffentlich erfahrbar zu machen. Diese Jungs sind nicht nur kriminell, sie haben auch künstlerisches Potenzial. In den letzten 15 Jahren waren es knapp 450 Jugendliche, die die Werkstatt aufgesucht haben, und wenn man davon ausgeht, dass jeder fast ein Kunstwerk macht, dann sind es auch genausoviele Kunstwerke, die hier entstanden sind.

Also, ein emotionaler Aspekt bei der Stiftertätigkeit ist das, was ich hier im Umfeld sehe, weil es erstens plastisch ist, weil es zweitens viel mit Holz ist, und ich komme aus einer Tischlerfamilie, und ich habe eine bestimmte Affinität zu Holz.

Mittlerweile sind die "Kunsttäter" ja nicht nur eine Einrichtung für straffällig gewordene junge Menschen, sondern wir haben Angebote für Studenten, für seelisch erkrankte Menschen, für Kitas, für Betreuerschulungen und auch Anfragen für Erwachsenenbildung.

Ich heiße Matthias, ich bin 21 Jahre. Ich komme seit einem Jahr zu den "Kunsttätern", und ich komme hier freiwillig her, mache viel mit Metall, mit Holz, mit Plastik, mit sonstigen Materialien, und es macht mir Spaß, mit Werkzeug umzugehen. Und ich finde es einfach cool zu sehen, wie so ein großes Projekt heranwächst. Ich habe ein bisschen mehr gelernt, auch wenn mich etwas aufregt, in der Ruhe zu bleiben, selbst wenn es nicht klappt, wenn es irgendwie mal schiefgeht, dann habe ich mir hier so ein bisschen beigebracht, ruhiger zu bleiben. Und es macht einfach viel zu viel Spaß, um sich über so etwas aufzuregen, wenn was schiefgeht, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.

Es ist erstmal fast Bestrafung, das zu machen. Dann entdeckt man im Tun plötzlich, dass man etwas realisieren kann, eine Fähigkeit, die man sich volkommen abgeschrieben hat, etwas, was da ist, dreidimensional abzubilden. Und dann kommt der Stolz.

Die Unterstützung durch die Carretero-Stiftung und durch andere Stiftungen ist für uns zentral, weil wir davon leben. Das heißt, dieses Projekt finanziert sich zum größten Teil über Stiftungen.

Ja, wir kriegen natürlich Projektberichte von Herrn Hett, aber ich wohne ja hier 400 Meter weiter, und wir gucken ab und zu mal vorbei, wenn offen ist, was hier ist, und unterhalten uns. Und das ist, glaube ich, viel wichtiger als irgendwie dieses Papier abzuheften und zu stapeln.