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Wirkung und Geschlechter­gerechtigkeit – Was ist gemeint, und warum ist es wichtig?

Diversität und Stiftungen – Teil 15

Beitrag von Katja Wagner, SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V., zuvor Phineo gAG

Tagtäglich engagieren sich Stiftungen, um Dinge zum Positiven zu verändern. Sie investieren Geld und Zeit, damit es Benachteiligten besser geht, die Natur geschützt oder die Kultur im Kiez gefördert wird. Kurzum: Stiftungen streben danach, die Gesellschaft voranzubringen und dabei eine größtmögliche Wirkung zu erzielen.

Bezogen auf gemeinnützige Arbeit ist dann von Wirkung die Rede, wenn ein Projekt zu Veränderungen bei der Zielgruppe und/oder in deren Lebensumfeld (Outcomes) und/oder in der Gesellschaft (Impacts) führt. Um Wirkung erzielen zu können, ist es wichtig, eine umfassende Bedarfs- und Umfeldanalyse, insbesondere eine Analyse der Bedarfe der Zielgruppe vorzunehmen. Dies ermöglicht es, ein Projekt zu konzipieren und umzusetzen, das bestmöglich zu den individuellen Ausgangslagen und Bedarfen der Zielgruppe passt und so die angestrebte Wirkung erzielt.

Hier wird deutlich, warum man nicht umhinkommt, die Geschlechterperspektive einzunehmen. Nur so kann man sich ein umfassendes Bild von seiner Zielgruppe machen. Geschlechtergerechtigkeit ist ein Thema, das sich durch alle Förder- und Projektaktivitäten zieht, denn sie ist Voraussetzung, Indikator und Beschleuniger für eine nachhaltige Entwicklung und daher von zentraler Bedeutung für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UNO.

Wer bei der Konzeption, Umsetzung und Evaluation seiner Projekte die unterschiedlichen Situationen und Bedürfnisse der Geschlechter systematisch berücksichtigt, kann enorme Potenziale und Chancen hinsichtlich der Wirkung seines Engagements heben – in jedem Themenfeld.

 

Empfehlungen: Wer kann was tun?

Die Berücksichtigung von geschlechterspezifischen Aspekten ist weniger eine zusätzliche Aufgabe als eine Denkweise. Erfahrungsgemäß ist es wichtig, diese Denkweise sowohl auf Organisationsebene, zum Beispiel bei der Führungskultur, Personalpolitik oder Kommunikation, als auch auf Projektebene einfließen zu lassen, um diese nachhaltig und langfristig in der Organisation zu verankern.
 

Allgemeine Empfehlungen 

  • Kommunizieren Sie intern und extern, dass Geschlechtergerechtigkeit für Sie in allen Themenfeldern ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung des Wirkungspotenzials eines (Förder-)Projektes ist. Machen Sie diese Haltung sichtbar – auf Ihrer Website, in Förderausschreibungen, Antragsformularen, Projektberichten, aber auch in Ihrer Satzung und internen Dokumenten. Mit dem Grad der Verbindlichkeit, mit dem die Haltung und Vorgaben Ihrer Stiftung zum Thema Geschlechtergerechtigkeit für (Förder-)Projekte festgeschrieben und sichtbar sind, können Sie Einfluss auf die Verankerung von Geschlechtergerechtigkeit in der Projektpraxis nehmen und das Wirkungspotenzial direkt steigern.
  • Berücksichtigen Sie Geschlechtergerechtigkeit in allen Phasen Ihrer (Förder-)Projekte – von der Konzeption bis zur Evaluation, von der Ausschreibung bis zum Abschlussbericht.
  • Sammeln und publizieren Sie Daten. Erheben Sie Daten (oder finanzieren Sie die Erhebung), die die Verbindung zwischen Wirkungsorientierung und Geschlechtergerechtigkeit weiter mit Zahlen untermauern. Publizieren und feiern Sie Ergebnisse von Projekten, die durch ihren gendersensiblen Ansatz besondere Wirkung entfaltet haben.
  • Stiftungen erzielen ihre Wirkung durch ihre (Förder-)Projekte.

 

Folgende Fragen unterstützen Sie dabei, die Geschlechterperspektive in Projektstruktur und Projektinhalten zu verankern:

Konzeption und Durchführung

  • Wo liegen die Ursachen des Problems, welche Auswirkungen haben diese, und gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?
  • Wer ist die Zielgruppe des Projektes – aufgeschlüsselt nach Geschlecht?
  • Wurde die Situation der Zielgruppe, insbesondere eventuelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern vollständig verstanden?
  • Wurden Bedarfe (inhaltlich und/oder quantitativ) identifiziert, und werden diese gezielt geschlossen? Haben diese geschlechterspezifische Implikationen, und (wie) werden diese berücksichtigt?
  • Wurden Best Practices aus dem Themenfeld in Augenschein genommen und diese auch im Hinblick auf geschlechterspezifische Ansätze und Wirkung betrachtet?
  • Werden im Konzept und bei der Umsetzung des Projektes diese unterschiedlichen geschlechterspezifischen Situationen und Bedarfe der Zielgruppe berücksichtigt – wenn ja, inwiefern?
  • Wie wird sichergestellt, dass alle Geschlechter die gleichen Zugangs- und Teilhabechancen zum Projekt haben (angefangen bei der Akquise über die organisatorische Gestaltung bis hin zur Nachbetreuung)?
  • Wie wird vermieden, dass durch das Projekt geschlechtsspezifische strukturelle Benachteiligungen reproduziert werden?
  • Spiegeln sich das Geschlechterverhältnis und die Diversität der Zielgruppe in der Zusammensetzung des für das Projekt verantwortlichen Personals wider?

Monitoring und Evaluation

  • Sind die Wirkungsziele auf Outcome- und Impact-Ebene geschlechtsspezifisch formuliert?
  • Fließen die geschlechtsspezifische Situation und Bedarfe der Zielgruppe in die Erarbeitung der Wirkungsindikatoren ein?
  • Erfolgen Monitoring und Evaluation des Projektes auch hinsichtlich der spezifischen Wirkung auf die Geschlechter?
  • Werden bei der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für die weitere Gestaltung des Projektes diese geschlechterspezifischen Daten berücksichtigt?
  • Erfolgt der Wirkungsbericht des Projektes aufgeschlüsselt nach Geschlecht?

 

LITERATUR/QUELLEN

  • Turning Promises into Action: Gender Equality in the 2030 Agenda for Sustainable Development, UN Women, 2018
  • Gender equality: a key SDG accelarator, United Nations Development Group Europe and Central Asia, 2018
  • Gender-wise toolkit for grant-makers, produced by Julie Reilly, Georgia Mathews for the Australian Women Donors Network, 2015
  • Grantmaking with a gender lense – Five practice case studies, European Foundation Centre, 2015
  • Grantmaking with a gender lense, GrantCraft, 2004
  • Kursbuch Stiftungen, PHINEO gAG, 2016

 

Die Autorin

Katja Wagner
SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V., zuvor Phineo gAG

Foto: privat