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Inklusion – Was ist gemeint, und warum ist es wichtig?

Diversität und Stiftungen – Teil 9

Beitrag von Anne Gersdorff, Silke Georgi und Raul Krauthausen, Sozialhelden

Inklusion ist kein Ziel und auch keine Utopie, sondern ein Prozess und ein Menschenrecht.

Etwa zehn Prozent der Menschen in Deutschland leben mit Behinderungen. Aber nur in wenigen Freundeskreisen oder Arbeitsumfeldern hat jede zehnte Person eine Behinderung. Das liegt vor allem daran, dass es in Deutschland nach wie vor exklusive Strukturen gibt. Menschen mit Behinderung werden oft gesondert beschult, leben in besonderen Wohneinrichtungen oder arbeiten in speziellen Werkstätten für behinderte Menschen. Das führt dazu, dass sie nicht Teil der "Mehrheitsgesellschaft" sind. Behinderte Menschen werden nicht mitgedacht, Ausschlüsse und Berührungsängste entstehen. Viele Menschen mit Behinderungen stoßen auf Barrieren, die ihre Teilhabe einschränken. Nicht nur physische Barrieren, wie zum Beispiel eine Treppe, sondern auch unzureichende Kommunikation oder Informationen sowie Vorurteile und Diskriminierung tragen dazu bei, dass Menschen mit Behinderungen ausgeschlossen werden.

Inklusion ist die Annahme und Bewältigung menschlicher Vielfalt. Doch vor allem ist Inklusion ein Menschenrecht. Die UN-Behindertenrechtskonvention, die dieses Recht festschreibt, gilt bereits seit 2009 in Deutschland. Menschen mit Behinderungen müssen also nicht dankbar dafür sein, dass sie teilhaben dürfen – es ist ihr Recht. Ihnen müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass sie teilhaben können. In einer inklusiven Gesellschaft werden Strukturen dahingehend verändert, dass alle Personen von Anfang an gleichberechtigt teilhaben können. Von Inklusion profitieren alle.

Auch in der Stiftungsarbeit sind Strukturen und Prozesse vielfach noch nicht inklusiv und reproduzieren gesellschaftliche Strukturen. Arbeitsteams, Arbeitsprozesse, Ausschreibungen, Veranstaltungen, Auswahlverfahren, Kriterien zur Geldvergabe etc. können alle inklusiv sein. "Wer Inklusion will, der findet Wege. Wer sie nicht will, der findet Ausreden", sagte bereits Hubert Hüppe, ehemaliger Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Die Frage lautet nicht, ob Inklusion umgesetzt wird, sondern wie. Als gemeinnützige Organisation sollten Stiftungen hier mit Vorbildcharakter vorangehen.

 

Empfehlungen: Wer kann was tun?

Hinterfragen Sie Abläufe und Strukturen in Ihrer Stiftung: Können Menschen mit Behinderung überall teilhaben? Beziehen Sie Menschen mit Behinderungen immer und überall mit ein. Inklusion ist die Aufgabe von allen, nicht nur von Gleichstellungs- oder Diversity-Beauftragten.

Für Führungskräfte:

  • Wie viele Menschen mit Behinderungen arbeiten bei Ihnen? Auf welchen Positionen sind sie beschäftigt? Was können Sie tun, damit das Team inklusiver wird?
  • Geben Sie behinderten Menschen eine Chance. Vielfältige Teams arbeiten in der Regel innovativer und erfolgreicher.
  • Fragen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen oder Kundinnen und Kunden mit Behinderungen nach Barrieren. Reden Sie mit den Kolleginnen und Kollegen darüber, was sie für einen guten Arbeitsalltag brauchen.
  • Ein sensibilisierender Workshop kann unbewusste Vorurteile sichtbar machen und ein positives Arbeitsklima bewirken.
  • Lassen Sie Ihre Website auf Barrierefreiheit überprüfen. Achten Sie auf eine barrierefreie Kommunikation und manifestieren Sie in der Bildsprache keine gängigen Klischees.
  • Sie haben noch Geld in Ihren Töpfen? Warum nicht eine neues Inklusionsprojekt schaffen oder bestehende unterstützen?

Für alle: 

  • Sprechen Sie nicht über, sondern mit Menschen mit Behinderungen (Motto: "Nichts über uns ohne uns."). Nehmen Sie Menschen mit Behinderungen und ihre Bedürfnisse ernst. Sie sind Expertinnen und Experten in eigener Sache.
  • Denken Sie Behinderungen immer von Anfang an mit. Führen Sie z.B. Inklusion als Gütekriterium bei Projekten ein.
  • Achten Sie auf inklusive Kommunikation. Reflektieren Sie, wer Ihre Mails, Ausschreibungen oder andere Veröffentlichungen verstehen soll.
    Leichte Sprache: Formulieren Sie in leichter oder zumindest einfacher Sprache oder nehmen sie einen Übersetzungsservice in Anspruch. Es gehört mittlerweile zum guten Ton, zumindest die wichtigsten Texte auch in leichter Sprache verfügbar zu machen.
    Stehen Gebärdensprach- oder Schriftdolmetscherinnen und -dolmetscher zur Verfügung? Planen Sie diese frühzeitig mit ein.
    Untertiteln Sie Videos und denken Sie an alternative Texte bei Bildern bzw. fügen Sie eine Bildbeschreibung dazu.
  • Lassen Sie sich von Menschen mit Behinderung beraten. Es gibt viele verschiedene Interessensgruppen, die Sie kontaktieren können. Planen Sie hierfür ein Honorar ein, denn das ist auch Arbeit.
  • Nutzen Sie Ihre Reichweite und Ihre Vorbildfunktion. Zeigen Sie, wie Inklusion gelingen kann.
  • Achten Sie darauf, dass Veranstaltungen inklusiv stattfinden und barrierefrei sind: Ist ein stufenloser Zugang zur Veranstaltung möglich? Gibt es ein rollstuhlgerechtes WC? Gibt es Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher? Ist das Podium inklusiv besetzt? 
  • Achten Sie bei der Geldvergabe auf Inklusion. Führen Sie Inklusion als Kriterium ein.
  • Werben Sie aktiv um Stipendiatinnen und Stipendiaten, Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder Kundinnen und Kunden mit Behinderung.

 

Autorinnen und Autor

Anne Gersdorff, Silke Georgi und Raul Krauthausen
Sozialhelden

Foto: Andi Weiland/Gesellschaftsbilder.de