/ /

Eigen-Sinnig – Pionierinnen der Psychologie

Eigen-Sinnig – Pionierinnen der Psychologie

Das Zentrum für Geschichte der Psychologie der Universität Würzburg porträtiert mit einer Förderung der Werner und Rosemarie Traxel-Stiftung mehr als 30 Psychologinnen des 20. Jahrhunderts aus dem deutschsprachigen Raum. Die Ausstellung "Eigen-Sinnig – Pionierinnen der Psychologie" läuft bis Ende 2027.
 

9. Oktober 2026
 

Die Kinder Hilde, Günther und Eva spielen Detektiv und entdecken im eigentlich verbotenen Arbeitszimmer ihrer Eltern eine Reihe handgeschriebener Bücher. Voller Neugier fangen sie an darin zu lesen. Die anfangs für sie noch schwierige Schrift können sie gemeinsam zunehmend schneller entziffern. Nach und nach wird ihnen klar, dass diese Bücher von ihnen handeln und ihre ganze Kindheit minutiös erfasst wurde. Sie sind schockiert und fragen sich, ob sie unwissend Teil eines großen Experiments gewesen sind.

Mit dieser und weiteren "History-Stories" kann man auf spannende Art und Weise die neue Ausstellung des Zentrums für Geschichte der Psychologie der Universität Würzburg entdecken. Kenner werden schnell erkannt haben, dass es sich hierbei um die berühmten entwicklungspsychologischen Tagebuchstudien von Clara und William Stern handelte. Clara Stern ist eine von über 30 Pionierinnen, die in der Ausstellung portraitiert werden.

Ausstellung "Eigen-Sinnig – Pionierinnen der Psychologie"

Wer weniger Lust auf das Lösen von "History-Stories" hat, wird auch beim klassischen Durchgang durch die Ausstellung auf seine Kosten kommen. Gestaltet ist sie wie ein Lebensweg, bei dem man eine Reihe von Toren durchschreiten kann, auf denen die Pionierinnen dargestellt sind. So lernt man nach und nach die beeindruckenden Lebensleistungen dieser Frauen kennen, die leider allzu oft zu wenig beachtet wurden und die daher dem Vergessen anheimgefallen sind. Lebendig wird diese Ausstellung besonders durch kurze KI-generierte Audio-Files, die per Smartphone abgerufen werden können, und in der jede der Pionierinnen persönlich aus ihrem Leben berichten.

Auch wenn diese Ausstellung überwiegend in die Geschichte blickt, so wagt sie doch an ihrem Ende einen kleinen Ausblick in die Zukunft und prognostiziert unter den Besucherinnen die kommenden Pionierinnen unserer Wissenschaft. Wie gut sie das kann, dürfen die Besucherinnen und Besucher abschließend im Schwedischen Café Lagergren miteinander diskutieren. Es ist ein Revival des Cafés, in dem sich Kurt Lewin mit seinen Doktorandinnen regelmäßig am Schlossplatz in Berlin zum Kolloquium traf und in dem eine Reihe bahnbrechender Experimente entworfen wurden.

Ausstellung "Eigen-Sinnig – Pionierinnen der Psychologie"

Die Ausstellung "Self-MINDED – Female Pioneers of Psychology" kann noch bis Ende 2027 jeweils von Montag bis Freitag besucht werden. Eine Terminvereinbarung ist notwendig und kann per E-Mail oder telefonisch (T 0931 31-88683) erfolgen. Die Ausstellung ist kostenfrei, die Organisatoren freuen sich aber sehr über Spenden, die die psychologiegeschichtliche Arbeit des Zentrums unterstützen.

Die Ausstellung basiert maßgeblich auf dem Buch "Pionierinnen der Psychologie. Herausfordernde Karrieren deutschsprachiger Wissenschaftlerinnen im frühen 20. Jahrhundert" von Wolfgang Schneider und Armin Stock, das im Hogrefe Verlag erschienen ist und gleichzeitig als Ausstellungskatalog dient.

Ausstellung "Eigen-Sinnig – Pionierinnen der Psychologie"

Die Werner und Rosemarie Traxel-Stiftung im Stifterverband wurde im Jahr 2010 von Rosemarie Traxel im Gedenken an ihren Ehemann, Professor Dr. Werner Traxel, von Frau errichtet. Die Stiftungsmittel kommen dem Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie zu. Professor Dr. Traxel hat 1981 an der Universität Passau das Institut für Geschichte der Neueren Psychologie gegründet, das im Jahr 2009 an die Universität Würzburg verlegt und in Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie umbenannt wurde.