Heuel: Nehmen Sie einen Wandel in der deutschen Spendenkultur wahr? Falls ja, welche Rolle spielen jüngere Generationen und Social Media dabei?
Riekel: Es wird leider nicht mehr gespendet, aber es wird zumindest mehr darüber gesprochen. Social Media spielt dabei eine zentrale Rolle. Influencer und Medienprominenz können mit ihren persönlichen Themen und auch Schicksalen die Öffentlichkeit beeinflussen. Das verändert die Kultur: weg von institutioneller, anonymer Unterstützung hin zu einer Form des Engagements, die persönlicher, kommunikativer und vernetzter ist. Für Stiftungen liegt darin eine große Chance, wenn sie diese neue Offenheit aufgreifen und authentisch bespielen. Denn ein Großteil der jungen Generation interessiert sich sehr für gesellschaftliche Themen und möchte die Zukunft aktiv mitgehalten.
Heuel: Ist Engagement heute Teil der "öffentlichen Erwartung", insbesondere an bekannte Persönlichkeiten?
Riekel: Viele prominente Persönlichkeiten engagieren sich seit Jahren für gemeinnützige Organisationen. Das ist gut so, denn wenn ein Star sich für die gute Sache einsetzt, motiviert das die Fans, ihm nachzueifern und ebenfalls zu spenden. Es gibt aber auch zahlreiche Prominente, die lieber im Stillen helfen, weil sie Sorge haben, man könne ihre Hilfsbereitschaft als Imagepflege missverstehen.
Anders sieht es bei Unternehmen aus. Dort ist die öffentliche Erwartung klar: Es wird ein gesellschaftliches Engagement vorausgesetzt. Die Reputation einer Firma wächst mit ihrer Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Man kauft gerne bei Unternehmen ein, die Nachhaltigkeit und Hilfsbereitschaft auf ihre Fahnen geschrieben haben. Daher zeigen beispielsweise bei Benefizveranstaltungen im Fernsehen Unternehmen gerne ihre Großzügigkeit.
Heuel: Einerseits kommen gesammelte Spenden Benachteiligten zugute. Anderseits kann bei fehlendem Fingerspitzengefühl schnell der Eindruck entstehen, dass es bei Charity-Events weniger um den guten Zweck und mehr um Publicity geht. Ein Drahtseilakt. Wie gelingt die richtige Balance?
Riekel: Seien wir ehrlich, zu einem erfolgreichen Charity-Event gehören auch Glamour und Prominente. Es geht doch gerade darum, das Traurige mit dem Schönen zu verbinden. Die Gäste wollen helfen, aber auch einen angenehmen Abend verbringen. Das Programm muss beides verbinden. Stars, die sich für den guten Zweck einsetzen, ohne dass sie zu sehr im Mittelpunkt stehen. Ein schwieriger Balanceakt. Social Media dient zur reichweitenstarken Verlängerung – auch hier sollten die inhaltlichen Themen im Fokus bleiben. Und natürlich sollten Charity-Events niemals von Spendengeldern bezahlt werden. Im Idealfall gibt es ein gutes Refinanzierungskonzept für die Gala, das von Partnerunternehmen getragen wird.
Heuel: Blicken wir konkret auf Ihr Event. TRIBUTE TO BAMBI ist hierzulande eines der renommiertesten Charity-Ereignisse. Wie geben Sie den Menschen, um die es Ihrer Stiftung geht – also Kindern, Jugendlichen sowie Engagierten, die sich für junge Menschen stark machen – eine Stimme im Rahmen der Veranstaltung?
Riekel: Auf unserer jährlichen Gala präsentieren wir Projekte und Initiativen, die wir fördern, etwa den Kampf gegen Cybermobbing, Bildungschancen für benachteiligte Jugendliche oder die mobile Palliativversorgung. Die stärkste Wirkung erzielen Betroffene, wenn sie selbst sprechen – live auf der Bühne oder in kurzen Filmen. Dabei achten wir darauf, dass niemand vorgeführt wird. Gäste bewegen und berühren und Verständnis für die Situation der betroffenen Familien wecken.