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10 Jahre Kosing-Graduiertenkolleg: Wie gezielte Förderung wirkt

10 Jahre Kosing-Graduiertenkolleg: Wie gezielte Förderung wirkt

2016 startete das Kosing-Graduiertenkolleg an den medizinischen Fakultäten der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Technischen Universität Dresden. Seitdem zeigt sich, was erreicht werden kann, wenn eine Stiftung nicht nur fördert, sondern Möglichkeiten schafft: fast 50 abgeschlossene Promotionen, Forschung mit direktem Praxisbezug und ein Netzwerk, das über die Promotionszeit hinaus trägt.

Zum Jubiläum stellen wir das Kosing-Graduiertenkolleg ausführlich vor: Wie kam es zur Gründung? Welche Forschungsprojekte werden gefördert? Welche Türen öffnet die Unterstützung für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler? Vor allem aber: Was bedeutet die Förderung für die Medizin – und für die Menschen, denen der Fortschritt zugutekommt?
 

Die Idee: zwei Standorte, eine Stiftungsinitiative

 
2015 errichtete das Ehepaar Kosing unter dem Dach des Stifterverbandes seine Stiftung, von Anfang an eng und vertrauensvoll begleitet durch das Deutsche Stiftungszentrum. So auch beim Ausgestalten der zukünftigen Programmarbeit. Die besondere Verbundenheit von Dr. Georg Kosing zu Dresden, seiner Geburtsstadt, und zu Bochum, wo er studiert hatte, gab den Ausschlag. "Warum richten wir nicht ein Graduiertenkolleg ein, das beide Universitäten verbindet?" Dieser Vorschlag der damaligen Stiftungsmanagerin Dr. Marilen Macher überzeugte Georg Kosing sofort.

Das Konzept ist einfach und wirkungsvoll: Die medizinischen Fakultäten wählen lokal Projektgruppen aus, die über drei Jahre Promotionsvorhaben betreuen. Die Stiftung unterstützt die Promovierenden mit Stellen- und Sachmitteln – und setzt auf Eigenverantwortung. Ein besonderes Anliegen für Georg Kosing: Die Arbeitsgruppen präsentieren ihre Projekte abwechselnd an beiden Standorten. "So bleiben wir als Stifterfamilie immer am Puls der Zeit", sagt er, da sich auch seine Frau und Tochter in der Stiftung engagieren.

Stifterehepaar Kosing
Das Stifterehepaar Kosing


Die Geförderten: Brücken bauen zwischen Grundlagenforschung und realer Hilfe für Menschen

 
Im Jahr 2016/2017 wurden die ersten Kosing-Graduiertenkollegs an den Standorten Bochum und Dresden eingerichtet. Das erste Kolleg in Dresden startete mit einem Projekt, das Riechen, Emotionen und Depressionen verband. Prof. Dr. Ilona Croy und Dr. Carina Köppel gehörten zu den ersten Geförderten im Rahmen des Projekts "Olfaktorisch-emotionale Netzwerke bei Depression – funktionelle und strukturelle Bildgebung". Ihr Ziel: zu untersuchen, ob ein vermindertes Volumen des Bulbus olfactorius, der ersten zentralen Riechverarbeitungsstruktur, mit veränderter neuronaler Aktivität in Hirnregionen einhergeht, die für emotionale Bewertung entscheidend sind.

Prof. Dr. Ilona Croy
Prof. Dr. Ilona Croy

Dank der Förderung entwickelten sie hochauflösende fMRT-Sequenzen, die limbische Netzwerke präzise abbilden. Die Zusammenarbeit von olfaktorischer Neurowissenschaft, klinischer Psychotherapie und moderner Neuroradiologie führte zu drei Promotionen, zwei wissenschaftlichen Publikationen in internationalen Fachzeitschriften – und zu einem besseren Verständnis der neurobiologischen Grundlagen von Depressionen, eine Voraussetzung für die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Ansätze.

"Die Stiftung hat uns ermöglicht, wissenschaftliche Neugier mit klinischer Relevanz zu verbinden – und so Brücken zwischen Grundlagenforschung und realer Hilfe für Menschen mit Depression zu schlagen", sagt Ilona Croy.

Carina Köppel ergänzt: "Die Promotionsförderung der Kosing-Stiftung hat meinen Einstieg in die klinische Forschung entscheidend geprägt und damit den Grundstein für meinen weiteren Weg in der ärztlichen Weiterbildung im Fach Psychiatrie an der Charité gelegt."

 

Das Riechen spielte auch in der Forschung von Dr. Berit Höfer am UniversitätsSchmerzCentrum der Universitätsklinik Carl Gustav Carus Dresden eine entscheidende Rolle. Im Rahmen ihrer Promotion bewarb sie sich auf die Ausschreibung einer Studie zum Thema Riechtraining bei Kindern und Jugendlichen mit primären Kopfschmerzen und erhielt eine Zusage. "Ein Bonus war, dass diese Arbeit direkt mit einem Stipendium der Kosing-Stiftung verknüpft war", so Berit Höfer.

Im Rahmen ihrer Forschungsförderung hospitierte sie in der Kinder/Jugend-Kopfschmerzambulanz und nahm an vielen Kongressen teil, auf denen sie auch ihre Ergebnisse präsentierte. Dabei zeigte sich: Riechtraining als Therapieansatz war eine kaum erforschte Nische.

Berit Höfer schloss ihre Promotion erfolgreich ab. Auch heute besucht sie regelmäßig den Deutschen Schmerzkongress in Mannheim, ist Mitglied der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und engagiert sich in der jungen DMKG. „Rückblickend war das Kosing-Stipendium für mich weit mehr als nur eine finanzielle Unterstützung – es war eine Eintrittskarte in die Welt der Forschung“, sagt Berit Höfer. "Es hat mir nicht nur ermöglicht, meine wissenschaftliche Arbeit erfolgreich umzusetzen, sondern auch meine fachlichen Interessen zu vertiefen und meine berufliche Zukunft entscheidend zu prägen."

Dr. Berit Höfer

Dr. Berit Höfer

 


Wirkung: Was die Förderung bewegt

 
Nicht nur für die Geförderten, auch für die Universitäten ist das Kosing-Graduiertenkolleg wichtig. So resümiert etwa Professor Martin Brüne, der mit anderen vor einigen Jahren erfolgreich ein Kosing-Graduiertenkolleg an der Ruhr-Universität Bochum einwarb: "Es ist sehr bemerkenswert, und natürlich ein Grund zum Feiern, dass die Kosing Stiftung nun schon seit zehn Jahren den wissenschaftlichen Nachwuchs fördert. Wir hatten das Glück, eine Förderung für drei Studierende zu erhalten. Alle drei haben sehr erfolgreich mit „magna cum laude“ promoviert."

Insgesamt sind es mittlerweile fast 50 abgeschlossene Promotionen im Rahmen des Kosing-Graduiertenkollegs. Manchen hat die Förderung eine Perspektive für eine akademische Laufbahn eröffnet, andere haben sich entschieden, als Ärztin oder Arzt zu arbeiten, profitieren aber auch hier davon, dass ihnen die Förderung Raum für eigenständige Forschung und fachliche Weiterentwicklung gegeben hat.

Die langfristige Wirkung geht jedoch über individuelle Erfolge hinaus: Durch die Verbindung von Forschung und klinischer Praxis entstehen Impulse, die die Medizin voranbringen – sei es durch neue Therapieansätze, interdisziplinäre Netzwerke oder die Weitergabe von Wissen an die nächste Generation.

 

Ausblick

 
Im April 2026 blickt die Stiftung nun nicht nur auf ein Jahrzehnt erfolgreicher Graduiertenkollegs zurück, sondern auch zuversichtlich in die Zukunft: Bei der kürzlichen Sitzung des Kuratoriums wurden die beiden neuen Projekte für das Jubiläums-Kolleg gekürt: 

  • An der Ruhr-Universität Bochum konnten Jun.-Prof. Dr. Jeremias Motte und Prof. Dr. rer. nat. Ingo Schmitz mit dem Thema "Mechanismen der Immunrekonstitution nach anti-CD19 CAR-T-Zelltherapie bei neuroimmunologischen Erkrankungen – Von der Depletion zum Immune Reset" überzeugen.
  • In Dresden werden sich Prof. Dr. Martina Rauner und Dr. Julia Thorn-Seshold im Projekt "Cell-type-specific redox states in osteoclasts and osteoblasts – thioredoxin and glutathione system activity in bone remodelling" mit der Frage befassen, über welche chemischen Gleichgewichte Knochenzellen ihren Auf- und Abbau regulieren. 

Die Kosing-Graduiertenkollegs werden jährlich direkt über die Ruhr-Universität Bochum und die Technische Universität Dresden ausgeschrieben. Bewerbungen sind jeweils an den beiden Standorten möglich. Das Deutsche Stiftungszentrum gratuliert zum Jubiläum des Kosing-Graduiertenkollegs und wünscht allen Geförderten weiterhin bestes Gelingen.
 

 

Die Dr. Georg E. und Marianne Kosing-Stiftung

Stiftungszweck ist die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung auf dem Gebiet der Humanmedizin, Biomedizin und Humanbiologie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Technischen Universität (TU) Dresden. Bewerbungen für die Graduiertenkollegs sind jeweils direkt an den beiden Fakultäten im Rahmen der jeweiligen Ausschreibungen möglich.