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Gemeinsam Zukunft unternehmen

Gemeinsam Zukunft unternehmen

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung verändern unsere Welt rasant. Doch was brauchen junge Menschen wirklich, um diese Zukunft nicht nur zu verstehen, sondern um sie aktiv zu gestalten? Für die Deloitte-Stiftung steht fest: Nicht vorrangig technisches Wissen, sondern vor allem vier Future Skills mit K: Kommunikation, kritisches Denken, Kollaboration und Kreativität.

Vor diesem Hintergrund geht es im Interview, das Markus Heuel vom Deutschen Stiftungszentrum mit Thomas Northoff, Vorstandsvorsitzender der Deloitte-Stiftung, für die aktuelle Ausgabe von Stiftung&Sponsoring zum Schwerpunkt "Künstliche Intelligenz" geführt hat, auch um mehr als KI: Wie gelingt es, Bildungsgerechtigkeit zu stärken, wenn Herkunft noch immer über Chancen entscheidet? Und wie meistern wir lebenslang zu lernen, gerade in Zeiten der Transformation?

Thomas Northoff berichtet, wie die Deloitte-Stiftung mit ihren Programmen – von Stipendien über den Hidden Movers Award für lokale Bildungsinitiativen bis hin zur Digital Future Challenge – Brücken sowohl zwischen Generationen als auch Bildung, Wirtschaft und (Zivil)Gesellschaft baut. Ganz nach dem Motto: "Gemeinsam Zukunft unternehmen".
 

10. Februar 2026

Heuel: Lieber Herr Northoff, unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft unternehmen" fördert die Deloitte-Stiftung junge Menschen darin Kompetenzen zu entwickeln, die sie befähigen, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Dabei setzen Sie bewusst nicht primär auf KI oder Digitalwissen, sondern auf klassische Future Skills: Kommunikation, kritisches Denken, Kollaboration und Kreativität. Warum sind ausgerechnet diese eher weichen Kompetenzen für Sie so entscheidend – gerade in einer Zeit, in der Algorithmen und Automatisierung unser Leben und Arbeiten transformieren?

Northoff: Durch neue Technologien, insbesondere durch die Nutzung von Social Media und KI-Tools, haben junge Menschen heute immer und überall Zugang zu einer großen Menge an Informationen. Wir halten es daher für wichtig, den Umgang mit Wissen neu zu definieren. Als Stiftung möchten wir jungen Menschen die notwendigen Fähigkeiten vermitteln, damit sie diesen unbegrenzten Informationszugang nutzen: um Schlüsse zu ziehen, Zusammenhänge zu verstehen, Perspektiven kritisch zu hinterfragen und aus dem bestehenden Wissen neue Ideen zu entwickeln.
 

Heuel: Schülerinnen und Schüler nutzen KI-Tools wie ChatGPT oder DeepL längst selbstverständlich – doch viele Lehrkräfte und Hochschulen tun sich schwer, KI-Kompetenzen souverän und systematisch zu vermitteln. Gleichzeitig klagen Unternehmen, dass Hochschulabsolvent:innen praktische KI-Fähigkeiten fehlen, um Arbeitsprozesse automatisiert zu gestalten oder KI-Tools kompetent auszusuchen und einzusetzen. Verpassen wir als Bildungsgesellschaft gerade den Anschluss?

Northoff: Der geradezu intuitive Umgang der Schülerinnen und Schüler mit neuen Tools ist ein ermutigendes Zeichen und zeigt, dass wir uns hier neben der Bildung zum sinnvollen Umgang mit den Tools vor allem Gedanken darüber machen müssen, allen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen den Zugang zu den Tools zu ermöglichen. Die Herausforderung liegt eher in den Generationen davor. "Lebenslanges Lernen" als Notwendigkeit, um den Anschluss bei technologischen und informationellen Umbrüchen zu behalten – hier müssen wir als Gesellschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen ansetzen und Angebote organisieren.

Thomas Northoff (Foto: Deloitte-Stiftung)
Foto: Deloitte-Stiftung

Heuel: Sie sprechen es an – der Zugang zu Technologie und digitalen Kompetenzen sind ungleich verteilt. Bildungserfolg hängt in Deutschland nach wie vor stark von der sozialen Herkunft ab. Ein strukturelles Problem, das die Digitalisierung nicht automatisch löst. Welche Antworten finden Sie im Rahmen Ihrer Programme, um Bildungsgerechtigkeit zu stärken?

Northoff: Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir, mit unserem Stipendienprogramm talentierte Studierende zu fördern, die vielseitig interessiert sind und sich über ihr Studium hinaus engagieren. Unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten eint, dass sie eine besondere Förderwürdigkeit aufweisen, zum Beispiel weil sie die ersten in ihren Familien sind, die studieren. Durch unser Programm möchten wir diese jungen Menschen darin unterstützen, ihre Ziele zu erreichen und der Tatsache entgegenwirken, dass die Herkunft in Deutschland nach wie vor sehr stark über den Bildungsweg bestimmt. Ein besonderer Aspekt des Programms ist unser Mentoring-Programm, durch welches jeder einzelne Stipendiat von einer ganz individuellen Begleitung profitiert. Außerdem erhalten die Studierenden so Zugang zu Netzwerken, die ihnen sonst gegebenenfalls verwehrt blieben.
 

Heuel: Die Herausforderung des „Lebenslangen Lernens“ haben Sie bereits angesprochen. Welche weiteren Herausforderungen für ein zukunftsfähiges Bildungssystem in digitalen Zeiten sehen Sie?

Northoff: Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist so schnell, dass es großer Anstrengungen bedarf, die "Bildenden und Lehrenden" so zu befähigen, dass sie ihrer Bildungsaufgabe gerecht werden können. Gleichzeitig werden wir unsere curricularen Systeme, die immer noch stärker auf Wissens- als auf Kompetenzvermittlung ausgerichtet sind, ebenso wie unsere Erfolgsmessungs- und Prüfungssysteme anpassen müssen. Im Rahmen unserer Wettbewerbe, dem Hidden Movers Award und der Digital Future Challenge, fördern wir Projekte, die auf diese Herausforderungen "einzahlen".
 

Heuel: Erzählen Sie doch gerne mehr zur Digital Future Challenge, bei der es um "Digital Responsibility" geht, also den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Technologien, der ethische, soziale und praktische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Northoff: Die Digital Future Challenge ist ein Wettbewerbsformat, bei dem studentische Teams gemeinsam mit den Lehrstühlen konkrete "Use Cases", also Fragestellungen aus dem praktischen Alltag von Unternehmen und Behörden bearbeiten und Lösungen entwickeln. Die besten Ideen werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, die neben der innovativen Lösung immer auch die ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekte der Vorschläge mitberücksichtigt. Die aktuelle Challenge nimmt Agentic AI und Robotic in besonderer Weise in den Blick. Die Relevanz dieser Themen für die Zukunft der Arbeit, die Interaktion zwischen Menschen und Technologie, aber auch die (Daten-)Schutzbedürftigkeit bei der Umsetzung digitaler Lösungen ist aus unserer Sicht besonders hoch.

Wir halten es für wichtig, den Umgang mit Wissen neu zu definieren. 

Thomas Northoff (Foto: Initiative D21/Deloitte-Stiftung/Phil Dera)
Foto: Initiative D21/Deloitte-Stiftung/Phil Dera

Thomas Northoff

Vorstandsvorsitzender der Deloitte-Stiftung

Heuel: Die Digital Future Challenge bringt bewusst Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit konkret? Und warum ist der sektorenübergreifende Austausch so entscheidend, um die Transformation der Bildung wirklich voranzubringen?

Northoff: Bildung, vor allem aber die Umsetzung von Ideen in praktikable und skalierbare Lösungen, ist kein "Elfenbeinturmprojekt". Die deutsche Bildungs- und Forschungslandschaft ist fantastisch, die Translation und die sektorale Zusammenarbeit aus unserer Sicht aber immer noch verbesserungsfähig. Deshalb unterstützen wir gerne den Austausch. Ganz praktisch passiert dies in der Digital Future Challenge durch die Bearbeitung konkreter "Use Cases", so dass der Wissenstransfer schon im Konzept angelegt ist.
 

Heuel: Am 12. Februar werden  die Gewinnerinnen und Gewinner der Digital Future Challenge gekürt. Wie geht es danach weiter? Wie werden aus den prämierten Konzepten der Studierenden tatsächliche Projekte oder Lösungen?

Northoff: Aus der Erfahrung der vergangenen Digital Future Challenges können wir sagen, dass eine ganze Reihe der Ideen tatsächlich umgesetzt werden – sei es durch die "Use Case"-Geber, die Studentinnen und Studenten einstellen und die Ideen gemeinsam umsetzen, sei es durch Start-Ups, die selbst unternehmerisch tätig werden.
 

Heuel: Ihre Stiftung vergibt zudem den Hidden Movers Award. Der Preis zeichnet bundesweit Bildungsinitiativen aus, die vor Ort für junge Menschen wirken – praktikabel, effizient und mit direktem Impact. Wenn Sie auf die prämierten Projekte der vergangenen Jahre zurückblicken, welche Rolle spielen KI und Digitalisierung hier? Gibt es viele Beispiele, in denen Technologie gezielt Zukunftsperspektiven verbessert hat – oder zeigt sich hier sogar, dass der entscheidende Hebel oft woanders liegt?

Northoff: Der Schwerpunkt der Projekte beim Hidden Movers Award liegt in der Befähigung von Menschen mit Nachteilen in ihrer jeweiligen Lebens- und Bildungssituation. Digitalisierung ist bei diesen Projekten eher "Enabler" bzw. Mittel zur Skalierung; die Projekte leben vor allem durch das Engagement und den Einsatz der Beteiligten. Wir erwarten aber bei zukünftigen Wettbewerben mehr Projekte, die "digital" ausgerichtet sind.
 

Heuel: Sie zeichnen die Preisträgerprojekte nicht nur aus, Sie begleiten sie auch auf ihrem Weg. Wie sieht die konkrete Unterstützung der Hidden Movers aus? Und was brauchen solche Projekte Ihrer Erfahrung nach am dringendsten, um nicht nur lokal etwas zu bewegen, sondern ihre Wirkung nachhaltig zu vergrößern?

Northoff: Neben Preisgeld erhalten die Projekte Beratung. Inhaltlich kommt es auf den individuellen Bedarf der Projekte an. Die nachhaltige Struktur und Finanzierung der Projekte ist typischerweise die größte Herausforderung, sowohl um die Projekte lokal zukunftsfähig zu machen, aber auch, um die Projekte zu replizieren oder zu skalieren. Insoweit ist die Arbeit an "Business Plan" und "Organisation", auch wenn diese Begriffe in den Kontext gemeinnütziger Projekte eingebettet werden müssen, wichtig.
 

Heuel: Der Hidden Movers Award geht 2026 bereits in die 17. Runde. Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, bei dem ein Projekt durch die Auszeichnung und die damit verbundene Unterstützung so gestärkt wurde, dass es seine Wirkung deutlich skalieren konnte?

Northoff: Der Erfolg der Projekte ist vor allem den Initiatorinnen und Initiatoren zu verdanken, wir hoffen aber, zum Beispiel bei der Freitagsschule, InvestIT! oder SPREUWEIZEN einen Beitrag geleistet zu haben.
 

Heuel: Laut einer ZiviZ-Befragung, die im Dezember veröffentlicht wurde, wird generative KI von Beschäftigten und Engagierten in gemeinnützigen Organisationen individuell genutzt, meist steht dahinter aber keine organisationsweite Strategie. In welchen Bereichen arbeitet die Deloitte-Stiftung mit Künstlicher Intelligenz?

Northoff: Wir haben das Privileg, in unserer Arbeit von den Menschen bei Deloitte unterstützt zu werden. Damit bildet der Einsatz von KI einen "normalen" Bestandteil unserer Tätigkeit, von der Erstellung von Materialien bis hin zu Tools bei unseren Wettbewerben. KI als Werkzeug ist für uns nicht wegzudenken.
 

Heuel: Im Rahmen Ihrer Programme sind Sie im steten Austausch mit jungen Menschen. Gibt es eine Begegnung oder eine Perspektive, die Sie in letzter Zeit besonders beeindruckt hat? 

Northoff: Besonders beeindruckend ist die Bereitschaft, "um die Ecke zu denken" und bestehende Barrieren als zu überwindende Herausforderungen zu sehen. Dieser Wille, sich nicht mit dem Status quo abzufinden, sondern mit Ideen in die Umsetzung zu gehen – das versuchen wir mit unserem Stiftungsmotto "Gemeinsam Zukunft unternehmen" auszudrücken. Das treibt mich auch persönlich an.
 

Heuel: Herzlichen Dank für das Gespräch!
 

 

Das Interview erschien im Fachmagazin Stiftung&Sponsoring, Ausgabe 1/2026.

PDF-Download des Interviews auf der Website von Stiftung&Sponsoring

Zur Person

Thomas Northoff ist seit 2013 im Vorstand und seit 2023 Vorstandsvorsitzender der Deloitte-Stiftung und verantwortet deren strategische Weiterentwicklung und operative Führung. Er engagiert sich darüber hinaus in der Zusammenarbeit mit anderen gemeinnützigen Organisationen, z.B. als Alumnus der BMW Stiftung Herbert Quandt und bei rotarischen Aktivitäten. Beruflich ist er seit 1994 bei Deloitte beschäftigt und ist Senior Advisor für Deloitte. Thomas Northoff hat Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilian-Universität München studiert.

Website der Deloitte-Stiftung

 
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