Heuel: Die Digital Future Challenge bringt bewusst Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit konkret? Und warum ist der sektorenübergreifende Austausch so entscheidend, um die Transformation der Bildung wirklich voranzubringen?
Northoff: Bildung, vor allem aber die Umsetzung von Ideen in praktikable und skalierbare Lösungen, ist kein "Elfenbeinturmprojekt". Die deutsche Bildungs- und Forschungslandschaft ist fantastisch, die Translation und die sektorale Zusammenarbeit aus unserer Sicht aber immer noch verbesserungsfähig. Deshalb unterstützen wir gerne den Austausch. Ganz praktisch passiert dies in der Digital Future Challenge durch die Bearbeitung konkreter "Use Cases", so dass der Wissenstransfer schon im Konzept angelegt ist.
Heuel: Am 12. Februar werden die Gewinnerinnen und Gewinner der Digital Future Challenge gekürt. Wie geht es danach weiter? Wie werden aus den prämierten Konzepten der Studierenden tatsächliche Projekte oder Lösungen?
Northoff: Aus der Erfahrung der vergangenen Digital Future Challenges können wir sagen, dass eine ganze Reihe der Ideen tatsächlich umgesetzt werden – sei es durch die "Use Case"-Geber, die Studentinnen und Studenten einstellen und die Ideen gemeinsam umsetzen, sei es durch Start-Ups, die selbst unternehmerisch tätig werden.
Heuel: Ihre Stiftung vergibt zudem den Hidden Movers Award. Der Preis zeichnet bundesweit Bildungsinitiativen aus, die vor Ort für junge Menschen wirken – praktikabel, effizient und mit direktem Impact. Wenn Sie auf die prämierten Projekte der vergangenen Jahre zurückblicken, welche Rolle spielen KI und Digitalisierung hier? Gibt es viele Beispiele, in denen Technologie gezielt Zukunftsperspektiven verbessert hat – oder zeigt sich hier sogar, dass der entscheidende Hebel oft woanders liegt?
Northoff: Der Schwerpunkt der Projekte beim Hidden Movers Award liegt in der Befähigung von Menschen mit Nachteilen in ihrer jeweiligen Lebens- und Bildungssituation. Digitalisierung ist bei diesen Projekten eher "Enabler" bzw. Mittel zur Skalierung; die Projekte leben vor allem durch das Engagement und den Einsatz der Beteiligten. Wir erwarten aber bei zukünftigen Wettbewerben mehr Projekte, die "digital" ausgerichtet sind.
Heuel: Sie zeichnen die Preisträgerprojekte nicht nur aus, Sie begleiten sie auch auf ihrem Weg. Wie sieht die konkrete Unterstützung der Hidden Movers aus? Und was brauchen solche Projekte Ihrer Erfahrung nach am dringendsten, um nicht nur lokal etwas zu bewegen, sondern ihre Wirkung nachhaltig zu vergrößern?
Northoff: Neben Preisgeld erhalten die Projekte Beratung. Inhaltlich kommt es auf den individuellen Bedarf der Projekte an. Die nachhaltige Struktur und Finanzierung der Projekte ist typischerweise die größte Herausforderung, sowohl um die Projekte lokal zukunftsfähig zu machen, aber auch, um die Projekte zu replizieren oder zu skalieren. Insoweit ist die Arbeit an "Business Plan" und "Organisation", auch wenn diese Begriffe in den Kontext gemeinnütziger Projekte eingebettet werden müssen, wichtig.
Heuel: Der Hidden Movers Award geht 2026 bereits in die 17. Runde. Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, bei dem ein Projekt durch die Auszeichnung und die damit verbundene Unterstützung so gestärkt wurde, dass es seine Wirkung deutlich skalieren konnte?
Northoff: Der Erfolg der Projekte ist vor allem den Initiatorinnen und Initiatoren zu verdanken, wir hoffen aber, zum Beispiel bei der Freitagsschule, InvestIT! oder SPREUWEIZEN einen Beitrag geleistet zu haben.
Heuel: Laut einer ZiviZ-Befragung, die im Dezember veröffentlicht wurde, wird generative KI von Beschäftigten und Engagierten in gemeinnützigen Organisationen individuell genutzt, meist steht dahinter aber keine organisationsweite Strategie. In welchen Bereichen arbeitet die Deloitte-Stiftung mit Künstlicher Intelligenz?
Northoff: Wir haben das Privileg, in unserer Arbeit von den Menschen bei Deloitte unterstützt zu werden. Damit bildet der Einsatz von KI einen "normalen" Bestandteil unserer Tätigkeit, von der Erstellung von Materialien bis hin zu Tools bei unseren Wettbewerben. KI als Werkzeug ist für uns nicht wegzudenken.
Heuel: Im Rahmen Ihrer Programme sind Sie im steten Austausch mit jungen Menschen. Gibt es eine Begegnung oder eine Perspektive, die Sie in letzter Zeit besonders beeindruckt hat?
Northoff: Besonders beeindruckend ist die Bereitschaft, "um die Ecke zu denken" und bestehende Barrieren als zu überwindende Herausforderungen zu sehen. Dieser Wille, sich nicht mit dem Status quo abzufinden, sondern mit Ideen in die Umsetzung zu gehen – das versuchen wir mit unserem Stiftungsmotto "Gemeinsam Zukunft unternehmen" auszudrücken. Das treibt mich auch persönlich an.
Heuel: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Das Interview erschien im Fachmagazin Stiftung&Sponsoring, Ausgabe 1/2026.
PDF-Download des Interviews auf der Website von Stiftung&Sponsoring