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Kind-Philipp-Stiftung verleiht Forschungspreise

Kind-Philipp-Stiftung verleiht Forschungspreise

Die Preisträger des diesjährigen Kind-Philipp-Preises sind Stephanie Frenz-Wießner (Dr. von Haunersches Kinderspital des LMU Klinikums München) sowie das Forscher-Trio Mirco Julian Friedrich ((Universitätsklinikum Heidelberg), Kevin Lu (Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen) und Michael Kilian ((Harvard Medical School). Sie wurden im Rahmen der Wissenschaftlichen Tagung der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) in Berlin ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.
 

21. November 2025

Verleihung der Kind-Philipp-Preise 2025
Preisverleihung: Dominik Schneider, Stephanie Frenz-Wießner, Birgit Burkardt und Johannes Reiners (v.li.)

Die Ärztin und Wissenschaftlerin Stephanie Frenz-Wießner vom Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums München erhält die Auszeichnung der Kind-Philipp-Stiftung für ihre 2024 in Nature Methods veröffentlichte Arbeit, in der sie ein Verfahren zur Herstellung komplexer menschlicher Knochenmarkorganoide aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSCs) entwickelt hat.

Die Knochenmarknische, bestehend aus Blutgefäßen, stromalen Zellen und hämatopoetischen Zelltypen, reguliert die Blutbildung ein Leben lang. Störungen dieses Mikromilieus tragen wesentlich zur Entstehung von angeborenem Knochenmarkversagen und kindlicher Leukämien bei. Da sich die komplexen Interaktionen der menschlichen Nische bisher nur schwer im Labor nachbilden ließen, fehlten geeignete Modelle für deren Untersuchung.

Das von Frenz-Wießner entwickelte Organoidmodell bildet wesentliche Eigenschaften der humanen Knochenmarknische nach und ermöglicht es, Blutzellentwicklung und zelluläre Interaktionen im Labor zu analysieren. Durch das Einbringen einer genetischen Mutation, die bei Kleinkindern ein angeborenes Knochenmarkversagen verursacht, konnte sie zudem zeigen, dass sich Krankheitsmerkmale im Organoid nachbilden lassen.

Damit eröffnet das Modellsystem neue Möglichkeiten für das Verständnis der Nische bei der Entstehung von Knochenmarkversagen und pädiatrischen Leukämien, sowie für patientenspezifische Therapieansätze.

Stephanie Frenz-Wießner studierte Medizin an der LMU und TU München. Ihre Weiterbildung zur Kinderärztin durchlief sie am Dr. von Haunerschen Kinderspital, wo sie im Rahmen ihrer PhD-Arbeit in der Arbeitsgruppe von Prof. Christoph Klein das Knochenmarkorganoid entwickelte. Seit Ende 2024 forscht sie als Postdoktorandin am Broad Stem Cell Research Center der University of California, Los Angeles (UCLA) zur Rolle der fetalen Knochenmarknische in der Entstehung von Säuglingsleukämien.

 

Verleihung der Kind-Philipp-Preise 2025
Preisverleihung: Dominik Schneider, Birgit Burkhardt, Kevin Lu, Mirco Friedrich und Johannes Reiners (v.li.)

Die Kind-Philipp-Stiftung ehrt die weiteren Preisträger, das Wissenschaftler-Team Mirco Julian Friedrich, Kevin Lu und Michael Kilian, für herausragende Forschung zur Verbesserung von zellulärer Immuntherapie bei Krebserkrankungen. Die Forschenden hatten herausgefunden, dass T-Zellen, die Krebszellen erkennen und aktiv werden, von einem anderen Player des Immunsystems, den natürlichen Killerzellen, angegriffen und abgetötet werden. Für Krebspatienten stellt das ein Problem dar: Der Mechanismus verhindert oft, dass Tumoren erfolgreich vom Immunsystem bekämpft werden, und er kann die Wirkung moderner zelluläre Krebsimmuntherapien wie der CAR-T-Zelltherapien abschwächen.

Mit der Genschere CRISPR/Cas9 gelang es den drei Forschenden, T-Zellen so zu verändern, dass sie besser vor Angriffen durch natürliche Killerzellen geschützt sind. Auf Grundlage dieser Ergebnisse leitet Mirko Friedrich nun die klinische Studie PERSIST-B7H6, um erstmals zu untersuchen, ob solche genetisch geschützten CAR-T-Zellen länger im Körper überleben und dadurch wirksamer gegen Krebs vorgehen können. Die Studie wird an den NCT-Standorten Heidelberg, West (Essen) und Berlin durchgeführt.

Mirco Julian Friedrich ist seit 2025 Arbeitsgruppenleiter am DKFZ und der HI-STEM gGmbH und klinisch tätiger Hämatologe und Onkologe am Universitätsklinikum Heidelberg. Nach dem Medizinstudium und der Promotion in Heidelberg und an der Harvard Medical School war er Postdoktorand und EMBO Fellow am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Kevin Lu studierte Medizin an der Universität Heidelberg und promovierte am Deutschen Krebsforschungszentrum zur Rolle von T-Zellen in bösartigen Hirntumoren. Danach begann er seine Ausbildung zum Facharzt an der Universitätsmedizin Essen in der Abteilung für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie. Aktuell befindet er sich für einen Forschungsaufenthalt am Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, Boston, USA, wo er ebenfalls an der Verbesserung von Immuntherapien für pädiatrische Hirntumore forscht.

Michael Kilian absolvierte nach dem Studium am Universitätsklinikum Heidelberg verschiedene Auslandsaufenthalte, unter anderem im Labor von Frederic Geissmann am Memorial Sloan Kettering Cancer Center. Für sein PhD und Postdoc schloss er sich dem Labor von Michael Platten am Deutschen Krebsforschungszentrum und Universitätsklinikum Mannheim an. Seit 2023 erforscht er im Labor von Francisco Quintana an der Harvard Medical School die Interaktionen von Immunzellen in der Mikroumgebung von Tumoren und bei neurodegenerativen Erkrankungen im zentralen Nervensystem.

 

Kind-Philipp-Stiftung

Die Kind-Philipp-Stiftung für pädiatrisch-onkologische Forschung im Stifterverband schreibt jedes Jahr den Kind-Philipp-Preis für pädiatrisch-onkologische Forschung aus. Mit ihm wird die beste Arbeit deutschsprachiger Autorinnen und Autoren zur Erforschung von Leukämie und Krebs bei Kindern ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Der Preisträger wird von einem Gutachtergremium der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie ausgewählt.

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