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Fake oder Fakt?

08.02.2018

Münchener Universitätsgesellschaft:
Studientag zum Thema "Die (Ohn-)Macht des Postfaktischen"

Der fast vollbesetzte Hörsaal bestätigte die wiederum gelungene Themenwahl des Studientages 2018: So konnten Prof. Dr. Elisabeth Weiss, Direktorin des Zentrums Seniorenstudium der LMU. und Prof. Dr. Dr. Peter Höppe, I. Vorsitzender der Münchener Universitätsgesellschaft, rund 300 Zuhörer begrüßen.

Befinden wir uns in einem Epochenbruch, in einem postfaktischen Zeitalter? Diese Fragen stellte Prof. Dr. Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung und präsentierte eine Vielzahl an Beispielen zu den Begriffen "Fake News", "alternative Fakten" und "Lügenpresse". Neuberger erläuterte die Entstehung, Verbreitung, Wirkung und Widerlegung von Fake News und unterschied dabei mehrere Manipulationstechniken wie "strategic narratives" (falsche Geschichten), "factitous informational blends" (Halbwahrheiten), "false flags" (falsche Herkunft), "cloaked websites" (falsche Identität des Anbieters), "tainted leaks" (verschmutzte Leaks) und "social bots" (automatisierte Verbreitung). Entgegnen könne man den "Fake News" einzig Medienkompetenz.

Prof. Dr. Dr. Peter Höppe, ehemaliger Leiter GeoRisiko Forschung bei der Munich Re, referierte über Fakten, welche bei der Diskussion des Klimawandels manchmal auf der Strecke bleiben. Höppe identifizierte vier unterschiedliche Klimawandel-Leugner (Skeptiker): erstens den Trendleugner, der bezweifelt, dass eine signifikante Erwärmung überhaupt stattfindet, den Ursachenleugner, der bestreitet, dass der Mensch für den Erwärmungstrend verantwortlich ist, den Folgenskeptiker, der mit der globalen Erwärmung vorwiegend positive Effekte verbunden sieht, und den Mitigationsskeptiker, der die vorhandenen Mittel anstatt in den Klimaschutz lieber in direkte Hilfen an Bedürftige investieren würde. Als Beispiele nannte Höppe unter anderem das Wahlprogramm der AfD, Zitate von Präsident Trump oder die Einflussnahme von Exxon Mobile, welche Wissenschaftlern zehntausend Dollar bot für Artikel, die die Unzulänglichkeiten des IPCC beschreiben sollten. Höppe zitierte eine Vielzahl von Belegen dafür, dass der Klimawandel real und hauptsächlich durch die Menschen verursacht ist. Er betonte, dass die Sachstandsberichte des Weltklimarats (IPCC) mit ca. 400 Experten als Autoren und weiteren 2.000 Experten als Reviewer als absolut verlässliche Wissensquellen zum Stand der Klimaforschung gelten.

Abschlussdiskussion
Das Publikum im Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität München

 
Dr. Patrick Illinger, Leiter des Ressorts "Wissen" bei der Süddeutschen Zeitung, berichtete über die zunehmend schwieriger werdende Aufgabe des Journalismus, aus der Masse an Information "nach bestem Wissen und Gewissen tagtäglich ein Paket zu schnüren, mit den Themen, die der Leser an diesem Tag wissen sollte" und verneinte nachdrücklich, dass es eine politische Ausrichtung seiner Zeitung geben würde. Zum Thema Meinungsbildung versus Meinungsbestätigung konstatierte Illinger: "Wer aufhört wissen zu wollen, hat verloren!" Das gelte in der Wissenschaft, im Journalismus und in der Gesellschaft, und er ergänzte: "Medienkompetenz ist eine gesellschaftliche Aufgabe eines jeden einzelnen!"

Arno Helferich, erster Kriminalhauptkommissar des Polizeipräsidiums München, berichtete über diverse Fälle, in denen die Neuen Medien als Einfallstor für kriminelle Aktionen genutzt worden sind, und warnte eindringlich vor Gewinnversprechen, mysteriösen Anrufen von Polizei und Bankmitarbeitern und allzu leichtsinnigem Umgang mit Internetzugangsdaten. Helfrich ließ die Zuhörer teilhaben an seinem reichen Schatz an Ratschlägen zu Reaktion und Prävention und forderte alle Anwesenden auf, im Zweifel immer die örtliche Polizei zu kontaktieren.

Nach einer ausführlichen Diskussionsrunde mit dem Auditorium beendete Prof. Dr. Gerhard Berz, Ehrenmitglied der Konferenz des Zentrum Seniorenstudium, den äußerst informativen Studientag. Als Fazit des Tages kann wohl gelten: Medienkompetenz ist eine zentrale und immer wichtiger werdende Kulturtechnik unserer Zeit.

 

Pressekontakt

Anke Meis

ist Leiterin des Bereiches "Kommunikation & Marketing" im Deutschen Stiftungszentrum.

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F 0201 8401-255

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