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Deutsche Altamerika-Stiftung fördert Maya-Projekt in Guatemala

11.07.2014

Die im Jahr 2002 gegründete Deutsche Altamerika-Stiftung fördert satzungsgemäß die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Altamerikanistik. Sie unterstützt dabei Projekte aus dem Bereich der Archäologie, Geschichte und Ethnohistorie, der Sprachwissenschaft und Epigraphik der indigenen Bevölkerung Amerikas in Mesoamerika, dem Andenraum und beeinflussten Gebieten.

Aktuell wurde die Förderung des Projektes "Proyecto Arqueológico de la Región de Chaculá – PARCHA" von Professor Nikolai Grube und Ulrich Wölfel der Abteilung für Altamerikanistik an der Universität Bonn ausgesprochen. Das Projekt befasst sich mit der Chronologie und Besiedlungsgeschichte einer Region im nordwestlichen Hochland von Guatemala. Die Region von Chaculá umfasst den Norden der Gemeinde Nentón im Nordwesten des Departements Huehuetenango, Guatemala. 

Im Jahre 1896 besuchten Eduard Seler und seine Frau Caecilie Seler-Sachs diese Gegend und führten mit der Erlaubnis von Gustavo Kanter, einem deutschstämmigen Finquero, dem große Ländereien gehörten, archäologische Untersuchungen und Ausgrabungen durch. Eine Vielzahl von Artefakten und Monumenten wurden von Seler im Anschluss an seinen Aufenthalt ins Museum für Völkerkunde in Berlin abtransportiert. Die Ergebnisse seiner Forschungen wurden 1901 in Buchform publiziert. Selers Ausgrabungen sind bis heute die einzigen, die in der Chaculá-Region durchgeführt wurden. Gleiches gilt für die (teilweise) Kartographierung und Beschreibung der archäologischen Stätten. 

Das Proyecto Arqueológico de la Región de Chaculá (PARCHA) erforscht einen wichtigen weißen Fleck auf der archäologischen Landkarte des Maya-Gebiets. Aufgrund seiner Lage am Übergang zwischen dem Comitán-Tal im mexikanischen Bundesstaat Chiapas und der Gebirgskette der Altos Cuchumatanes in Guatemala sowie seiner Nähe zu wichtigen Handelsrouten (Navarette 1981), kommt der Chaculá-Region eine Schlüsselposition für das Verständnis der Beziehungen zwischen dem Maya-Hoch- und Tiefland zu. 

Die Bedeutung der Chaculá-Region ist seit langem in der archäologischen Literatur bekannt, jedoch war sie bisher kaum Gegenstand archäologischer Forschungen. Innerhalb eines Umkreises von mehr als 20 km um die Stätte Chaculá herum liegen selbst für grundlegende Fragen wie die Chronologie keine gesicherten Erkenntnisse auf Basis stratigraphischer Ausgrabungen vor. 

Eine genauere zeitliche Einordnung der Besiedlung von Stätten wie Chaculá könnte jedoch wichtige Aufschlüsse darüber geben, inwieweit die Besiedlung und Auflassung von Orten in dieser Gegend in Abhängigkeit von ähnlichen Phänomenen in anderen Teilen des Maya-Gebiets erfolgte. Oberflächenfunde von Keramik in der Chaculá-Region, insbesondere in der Stätte Chaculá selbst, lassen sich in diesen so wichtigen Zeitraum einordnen, die zeitliche Tiefe der Besiedlung ist jedoch bisher unbekannt. In diesem Zusammenhang ist auch die von Michael Blake aufgestellte Vermutung von Bedeutung, dass die Besiedlung von Canajasté im mexikanischen Chiapas von Westen her erfolgte. Mangels archäologischer Daten konnte diese Annahme bisher nicht überprüft werden. 

Ebenfalls ungeklärt ist die Frage nach der zeitlichen Kontinuität der Besiedlung in der Chaculá-Region über die Postklassik hinaus. So gibt es Hinweise auf eine Nutzung der Höhlen von Quen Santo in der späten Postklassik (1250 – 1530 n.Chr.). Unklar ist ebenso, ob und wie die Region in den ersten Jahrhunderten nach der spanischen Eroberung Guatemalas besiedelt war. Die historischen Quellen schweigen sich hierüber aus und die Abwesenheit kolonialzeitlicher Architektur, etwa von Kirchen, deutet auf eine höchstens sehr dünne Besiedlung. 

Das Projekt PARCHA hat zum Ziel, die Forschungen Eduard Selers in der Chaculá-Region aufzuarbeiten. Dabei soll der Fokus auf die Erforschung der Chronologie und Siedlungsgeschichte der von Seler nur sehr unvollständig dokumentierten Stätten gerichtet werden. Auf diese Weise werden die Grundlagen für eine weitere Erforschung der Chaculá-Region gelegt. Hierzu werden (a) die von Seler erwähnten archäologischen Stätten neu lokalisiert und ihr heutiger Zustand dokumentiert, (b) neu entdeckte archäologische Stätten exploriert und erstmals dokumentiert, (c) die Stätte Chaculá kartographiert, sowie (d) Ausgrabungen in der Stätte Chaculá durchgeführt, um erstmalig Aufschlüsse über die Chronologie dieser so wichtigen Region zu erhalten. 
 

Anke Meis

ist Leiterin des Bereiches "Kommunikation & Marketing" im Deutschen Stiftungszentrum.

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