Sie sind Mitglied im Anlagebeirat des Deutschen Stiftungszentrums. Welche Leitplanken halten Sie derzeit für entscheidend bei der Aktienquote und welche Rolle spielen dabei alternative Anlagen als Stabilitätsanker?
Gerade bei Aktien zählt für Stiftungen der langfristige Blick. Bereits bei der Erarbeitung der langfristigen strategischen Asset-Allokation sollte man sich bewusst fragen, welche Aktienquote man auch in schwachen Marktphasen aus- und durchhalten kann. Eine Quote, die nur in guten Zeiten trägt, kann in Stressphasen zu Fehlentscheidungen führen, die langfristig sehr weh tun. Entscheidend ist, dass die Aktienquote zum Ausschüttungsbedarf und zur Volatilitätstoleranz der Stiftung passt.
Daneben spielen Alternative Anlagen im Portfoliokontext eine zentrale Rolle für Diversifikation und Stabilisierung, da sie häufig eine geringere Korrelation zu klassischen Aktien- und Rentenmärkten aufweisen. Besonders Infrastrukturinvestments zeichnen sich durch langfristige Verträge, inflationsindexierte Cashflows und eine hohe Ertragsvisibilität aus. Damit unterstützen sie Stiftungen gerade in volatilen Marktphasen beim realen Kapitalerhalt. Entscheidend ist, dass diese Anlagen strategisch eingebettet und mit einem langen Anlagehorizont umgesetzt werden.
Ein Großteil der Kursgewinne US-amerikanischer Aktien wurde 2025 für europäische Anleger durch den schwächeren Dollar wieder aufgezehrt. Wie schätzen Sie die weitere Währungsentwicklung ein – und sollten Stiftungen Währungsrisiken aktuell konsequenter absichern?
Grundsätzlich sollten Fremdwährungsanleihen immer währungsgesichert sein, da die Schwankungsbreite von Währungsbewegungen in der Regel deutlich größer ist als die der Anleihekurse. Bei Aktien ist es anders. Die Schwankungsbreite der Aktienkurse ist größer, und es gibt ein natürliches Gegenelement. Anleger verlieren zwar direkt durch die Währungsabwertung, gewinnen aber indirekt durch den positiven Kurseffekt von Aktien internationaler Unternehmen, die von einer schwächeren Währung profitieren.
Vor diesem Hintergrund sichern wir internationale Aktien nie komplett gegen Währungsrisiken ab. Wir haben derzeit jedoch eine Teilsicherung beim US-Dollar, da wir in den USA einen politischen Willen für eine schwächere Währung und gleichzeitig das Risiko sehen, dass immer mehr europäische Anleger ihr Geld aus den USA abziehen. Für den US-Dollar spricht jedoch immer noch die technologische Überlegenheit der USA und die erkennbare Beschleunigung des Produktivitätswachstums.
Daran anknüpfend: Es wird intensiv darüber debattiert, ob der Dollar schleichend seinen Status als globale Leitwährung verliert. Welche Konsequenzen hätte das für die globale Finanzarchitektur und wie können sich langfristige Investoren gegen dieses systemische Risiko wappnen?
Ich denke, dass die Frage nach der zukünftigen Wechselkursentwicklung des US-Dollars und die Frage nach seinem Status als Weltreservewährung unabhängig voneinander sind. Es ist nahezu unmöglich, dass der US-Dollar auf absehbare Zeit seinen Status als Weltreservewährung verliert, da es einerseits keine echte Alternative gibt und die Währung andererseits sehr stark im globalen Finanzsystem verankert ist.
Der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge haben Nicht-US-Wirtschaftsakteure weltweit knapp 40 Billionen US-Dollar an Schulden. Die Welt ist abhängig von einem täglichen Zugang zu einer US-Dollar-Finanzierung. Trotz alldem kann sich der Wechselkurs an den Devisenmärkten abschwächen, ohne den Status als Weltreservewährung zu gefährden.