Individuell genutzt, aber strategisch vernachlässigt

Individuell genutzt, aber strategisch vernachlässigt

David Kuhn von ZiviZ im Stifterverband berichtet über Status quo und Handlungsbedarfe zu generativer KI im gemeinnützigen Sektor. Der Beitrag ist zuerst in Stiftung&Sponsoring Ausgabe 1/2026 erschienen.
 

11. Februar 2026

Künstliche Intelligenz (KI) prägt nicht nur zunehmend unseren Lebensalltag und unsere Arbeitswelt – sie nimmt auch im freiwilligen Engagement und in gemeinnützigen Organisationen einen immer größeren Stellenwert ein. Doch in welchem Umfang und in welchen Bereichen setzen Engagierte KI ein? Wie gehen gemeinnützige Organisationen auf der Organisationsebene mit dem Thema um und welche Potenziale, Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe ergeben sich daraus?

In einer Onlinebefragung von ZiviZ im Stifterverband wurden 1.235 ehrenamtlich und hauptamtlich tätige Personen im gemeinnützigen Sektor zu ihrer Nutzung sowie zu ihren Einstellungen gegenüber generativer KI befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Großteil der Engagierten und Beschäftigten generative KI nutzt, aber nur eine Minderheit der Organisationen über Initiativen und Richtlinien zur KI-Nutzung verfügt.

Unter generativer KI wird eine Form der KI verstanden, die auf Basis großer Datenmengen eigenständig neue Inhalte erzeugt, anstatt vorhandene Informationen zu analysieren oder zu reproduzieren. Zu den bekannten Beispielen zählen Chatbots wie ChatGPT oder Bildgeneratoren wie DALL·E.

 

73 Prozent nutzen generative KI-Tools

Die Verbreitung generativer KI unter Engagierten und Beschäftigten im gemeinnützigen Sektor hat bereits ein beachtliches Niveau erreicht: 73 Prozent  von ihnen verwenden bereits entsprechende Tools, davon 17 Prozent  täglich, 26 Prozent  mehrmals wöchentlich, 23 Prozent einmal wöchentlich und 35 Prozent  seltener als einmal pro Woche.

Die Nutzung von KI-Tools hängt unter anderem mit dem Alter zusammen. Unter Engagierten und Beschäftigten unter 35 Jahren setzen nahezu alle Generative KI-Tools ein (94 Prozent). Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil kontinuierlich: auf 88 Prozent bei den 35- bis 44-Jährigen, 80 Prozent bei den 45- bis 54-Jährigen, 67 Prozent bei den 55- bis 64-Jährigen und 56 Prozent  bei den über 65-Jährigen.

Auch die ausgeübte Funktion beeinflusst die Nutzung. Engagierte und Beschäftigte, die in administrativen Bereichen wie Finanzen, Daten und Verwaltung tätig sind, nutzen KI-Tools unterdurchschnittlich häufig (54 Prozent). In Leitungspositionen liegt die Nutzungsrate mit 72 Prozent ebenfalls leicht unterhalb des Durchschnitts. Demgegenüber werden KI-Tools von Personen mit Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit (95 Prozent) sowie von Personen aus den Bereichen IT, Digitalisierung und Innovation (100 Prozent) nahezu flächendeckend eingesetzt.

 

Wahrgenommene Zeitersparnis und erleichterte Informationssuche

Die Mehrheit der Engagierten und Beschäftigten gibt an, dass KI-Tools ihnen helfen, ihre Aufgaben schneller zu erledigen (65 Prozent stimmen zu oder stimmen voll zu). Ebenfalls häufig werden eine Erleichterung bei der Informationssuche (64 Prozent) und mehr kreative Möglichkeiten bei der inhaltlichen Arbeit (57 Prozent) genannt. Seltener werden hingegen eine geringere Abhängigkeit von externen Dienstleisterinnen und Dienstleistern, etwa für Text-, Design- oder Übersetzungsleistungen (34 Prozent) sowie Kosteneinsparungen wahrgenommen (24 Prozent).

Gründe für die Nichtnutzung generativer KI (Grafik)

Generative KI in wenigen Organisationen strategisch verankert

Die strategische Verankerung generativer KI in gemeinnützigen Organisationen befindet sich in noch im Frühstadium. Lediglich 12 Prozent der Organisationen haben zentrale Initiativen zum Einsatz generativer KI entwickelt. Verbindliche Richtlinien zur Nutzung generativer KI existieren in 9 Prozent der Organisationen. Der Einsatz generativer KI in gemeinnützigen Organisationen bleibt damit in weiten Teilen den einzelnen Engagierten oder Beschäftigten überlassen.

Dennoch setzen sich zahlreiche Organisationen mit der KI-Thematik auseinander. In 34 Prozent der Organisationen werden die Mehrwerte und Risiken generativer KI aktiv diskutiert, in weiteren 24 Prozent zumindest teilweise. Parallel dazu besteht in vielen Organisationen eine skeptische Grundhaltung: 21 Prozent der Engagierten und Beschäftigten berichten von einer überwiegend kritischen Sichtweise auf generative KI in ihrer Organisation, weitere 35 Prozent von einer teilweise kritischen Haltung.

 

Hürden für die Einführung generativer KI in Organisationen

Es gibt eine ganze Reihe von Herausforderungen, die die Einführung generativer KI in gemeinnützigen Organisationen erschweren. Am häufigsten werden datenschutzrechtliche Bedenken (46 Prozent stimmt zu oder voll zu) sowie fehlendes technisches Know-how (46 Prozent) genannt. Dicht dahinter folgen Sorgen hinsichtlich der Qualität und Verlässlichkeit der generierten Inhalte (44 Prozent) sowie das Fehlen klarer Anwendungsfälle (43 Prozent). Deutlich seltener werden mangelnde Unterstützung durch die Führungsebene oder den Vorstand (16 Prozent) sowie die Sorge um den Verlust von Arbeitsplätzen (6 Prozent) geäußert.

 

Führungskräfte überschätzen ihre Unterstützungsbereitschaft

Auffällig ist, dass die wahrgenommene Unterstützung durch die Führungsebene je nach Funktion unterschiedlich bewertet wird. Personen in Management- und Leitungsfunktionen sehen fehlende Unterstützung durch die Führungsebene deutlich seltener als Herausforderung als Engagierte und Beschäftigte in anderen Funktionsbereichen. Dies deutet darauf hin, dass sich viele von ihnen eine stärkere Unterstützung durch die Führungsebene wünschen, die ihre Verantwortung in diesem Bereich bislang offenbar nicht ausreichend wahrgenommen hat.

 

Unterstützungsbedarf für den Einsatz von generativer KI (Grafik)

 

Kurz & Knapp

Die Ergebnisse der Onlinebefragung zeigen, dass die Nutzung generativer KI unter Engagierten und Beschäftigten im gemeinnützigen Sektor weit verbreitet ist. Bei der Frage, ob und wie generative KI eingesetzt werden kann, sind Engagierte und Beschäftigte jedoch häufig auf sich allein gestellt, da die meisten gemeinnützigen Organisationen weder Leitbilder noch Richtlinien oder interne Schulungen zur Nutzung anbieten. Dadurch entsteht bei vielen Engagierten und Beschäftigten Unsicherheit, in welchem Rahmen generative KI angewendet werden darf, welche Anwendungsfälle für ihre Tätigkeit relevant sind und wie zukünftige Entwicklungen im Bereich KI sinnvoll aufgegriffen und mitgestaltet werden können. Es gilt somit Klarheit über den Umgang mit dieser Technologie zu schaffen und Herausforderungen bei der Anwendung zu begegnen.
 

Mehr Info & Download der Studie auf der ZiviZ-Website

 

David Kuhn (Foto: Marcel Schwickerath)

David Kuhn 
ist Programmmanager 
bei ZiviZ im Stifterverband.

ZiviZ liefert datenbasiertes Orientierungs- und Trendwissen 
für die praktische Arbeit im Themenfeld Zivilgesellschaft.

Zur Website von ZiviZ
 

 

 
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