Eine zentraler Beitrag Sliwas liegt zudem in ihrer Analyse von Entschuldigungen. Sie zeigt, dass Unwissenheit und begrenzte Handlungsmöglichkeiten Gründe sein können, das Handeln eines Menschen milder zu beurteilen, ohne ihn damit jeglicher Verantwortung zu entbinden. Damit ermöglicht sie ein genaueres Verständnis menschlicher Fehlbarkeit, ohne moralische Maßstäbe preiszugeben.
Darüber hinaus entwickelt Sliwa eine eigenständige Theorie moralischer Verantwortungsübernahme. Sie zeigt, dass es nicht reicht, sich selbst die Schuld zu geben oder Reue zu empfinden. Wer Unrecht tut, verändert die normative Beziehung zu anderen: Es entstehen Pflichten zur Anerkennung des Unrechts, zur Entschuldigung und gegebenenfalls zur Wiedergutmachung. Verantwortung ist demnach auch als Anerkennung und Übernahme dieser normativen Konsequenzen zu verstehen.
In ihren jüngsten Arbeiten zeigt Sliwa zudem eindrucksvoll, wie geschlechtlich geprägte Wahrnehmungsmuster zur ungleichen Verteilung von Haus- und Sorgearbeit beitragen. Damit erweitert Sliwa die feministische Philosophie um eine Theorie der Wahrnehmung, die erklärt, wie soziale Ungleichheit im Alltag reproduziert werden kann, ohne dass die Beteiligten sie bewusst beabsichtigen.
Die Preisverleihung findet am 29. Januar 2027 in Berlin statt.