Jasmin Marga Kneuer erforscht am Universitätsklinikum Leipzig die Rolle des Immunsystems bei einer bislang wenig verstandenen Form der Herzschwäche: der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF). Die Herzinsuffizienz stellt eine der häufigsten Todesursachen bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar und tritt besonders häufig im höheren Alter auf. Mit der steigenden Lebenserwartung nimmt daher auch die Zahl der Betroffenen stetig zu. HFpEF betrifft oft Patientinnen und Patienten mit metabolischen Begleiterkrankungen wie Adipositas. Diese Begleiterkrankungen begünstigen anhaltende Entzündungsprozesse im Gefäßsystem, bei denen Immunzellen eine zentrale Rolle spielen. Durch ihre Aktivierung und Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe tragen Immunzellen wesentlich zur Entstehung und Progression der Herzschwäche bei.
Im Mittelpunkt von Jasmin Kneuers Forschung stehen sogenannte lange nicht-kodierende RNAs (LncRNAs) – RNA-Moleküle, die nicht für Proteine kodieren, aber die Aktivität von Genen und Immunzellen gezielt regulieren können. Diese RNAs übernehmen als molekulare Regulatoren eine zentrale Rolle bei Entzündungsprozessen. Aufgrund ihrer oft Zelltyp-spezifischen Expression und funktionellen Vielfalt bieten LncRNAs vielversprechende Ansatzpunkte für neue diagnostische Biomarker und gezielte therapeutische Interventionen.
Um die genauen molekularen Mechanismen zu verstehen, mit denen LncRNAs die Immunantwort und Entzündungsprozesse bei HFpEF – insbesondere im Kontext der Adipositas-assoziierten Inflammation – beeinflussen, analysiert Frau Kneuer Immunzellen aus dem Blut von Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche mithilfe modernster Einzelzell-Transkriptomik. In Kombination mit präklinischen Tiermodellen und funktionellen Zellstudien sollen dabei spezifische Immunzelltypen und RNA-Signaturen identifiziert werden, die mit HFpEF in Zusammenhang stehen. Eine besondere Herausforderung besteht darin, aus der Vielzahl unterschiedlich exprimierter Gene diejenigen mit hoher Krankheitsrelevanz herauszufiltern. Um vielversprechende Kandidaten zu identifizieren, verfolgt Frau Kneuer einen Spezies-übergreifenden Analyseansatz. Dabei werden Immunzell-Signaturen mit Blick auf ihre evolutionäre Konservierung, den Einfluss des Adipositas-Status sowie den Vergleich mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Gleichzeitig wird die therapeutische Modulierbarkeit dieser Kandidaten-RNAs bewertet.
Ziel ist es, nicht nur ein besseres Verständnis der Pathogenese von HFpEF zu gewinnen, sondern auch neue Ideen zur gezielten Modulation entzündlicher Prozesse zu entwickeln – auch über HFpEF hinaus.
Mit der Förderung durch die Corona-Stiftung steigt Jasmin Marga Kneuer unmittelbar nach ihrer Promotion in ihr neues Projekt ein.
Jasmin Marga Kneuer (M.Sc.) ist im Forschungslabor für Experimentelle Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig tätig und forscht dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin an nicht-kodierenden RNAs bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für ihre Arbeiten wurde sie 2025 mit dem Franz-Maximilian-Groedel-Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ausgezeichnet. Sie erhielt außerdem ein Reisestipendium der Young DGK.