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Reallabor gewinnt Forschungspreis Transformative Wissenschaft

30.11.2018

Transformatives Projekt "Quartier Zukunft – Labor Stadt" vom Wuppertal Institut und von der Zempelin-Stiftung im Stifterverband ausgezeichnet

Wie funktioniert nachhaltiges Leben im Quartier? Wie sollten unsere Städte von morgen aussehen? Wie muss ein zukunftsfähiger urbaner Wandel gestaltet werden? Um das herauszufinden, testet ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mit Projektpartnern neue Ideen in der Karlsruher Oststadt. Das Reallabor "Quartier Zukunft – Labor Stadt" soll helfen, die Lebensqualität zu steigern und das Leben nachhaltiger zu gestalten.

Das Team unter der Leitung von Dr. Oliver Parodi gewinnt mit ihrem innovativen Reallabor-Konzept den mit 25.000 Euro dotierten Forschungspreis "Transformative Wissenschaft". Bereits zum zweiten Mal vergeben das Wuppertal Institut und die Zempelin-Stiftung im Stifterverband den Forschungspreis. Die offizielle Preisverleihung findet am 16. Januar 2019 im Rahmen der "Darmstädter Tage der Transformation" im Schader-Forum statt.

Foto: Quartier Zukunft/KIT
Der "Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft" ist das Projektbüro in der Karlsruher Oststadt und inzwischen die Nachhaltigkeitsadresse in Karlsruhe.
Foto: Quartier Zukunft/KIT
Ein interaktives sogenanntes Partizipationswerkzeug aus dem Reallabor mit einem Stadtplan der Karlsruher Oststadt, der sich mit Kärtchen bestücken lässt.
Foto: Wuppertal Institut/S. Michaelis
Neben dem Preisgeld von 25.000 Euro erhält das Gewinnerteam eine Skulptur, die aus den Stahl-Schienen der Wuppertaler Schwebebahn geschmiedet wurde.

 
Klimawandel, Ressourcenknappheit, demografischer Wandel,
verschuldete öffentliche Haushalte oder soziale Ungleichheit erfordern eine umfassende, nachhaltige Entwicklung – lokal und global. Auf dem Weg zu einem gesamtgesellschaftlichen Wandel hin zu einer zukunftsfähigen Lebensweise spielen Städte in vielerlei Hinsicht eine zentrale Rolle. Aber wie lassen sie sich in nachhaltige Lebensräume verwandeln?

In Karlsruhe tut sich etwas: Das Reallabor "Quartier Zukunft – Labor Stadt" – unter anderem mit dem durch das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK Baden-Württemberg) geförderten Projekt "Reallabor 131: KIT findet Stadt" – probt eine Kultur der Nachhaltigkeit. Das transdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsprojekt des KIT möchte ein Stadtquartier mit seinen Bewohnerinnen und Bewohnern als enkeltaugliche Zukunft verwirklichen. Dafür gehen Projektleiter Dr. Oliver Parodi und sein multidisziplinär besetztes Team den Fragen nach, wie nachhaltiges Stadtleben gelingen kann und wie europäische Städte in nachhaltige Lebensräume transformiert werden können.

Das Reallabor überzeugte die Jury besonders mit seiner innovativen konzeptionellen Herangehensweise sowie der lokalen Verankerung und erhält in diesem Jahr den Forschungspreis "Transformative Wissenschaft". "Das Reallabor in der Oststadt ist eines der am weitesten entwickelten Quartier-Reallabore in Deutschland. In Karlsruhe wird mit vielen innovativen Formaten vorgelebt, wie fruchtbar gemeinsame Wissensentwicklung von Wissenschaft und Akteuren vor Ort für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung sein kann", sagt Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts.

Der Preis wird im Rahmen der "Darmstädter Tage der Transformation" am 16. Januar 2019 ab 14:30 Uhr im Schader-Forum, Goethestraße 2, in Darmstadt offiziell verliehen. Mit den "Darmstädter Tagen der Transformation" etabliert die Schader-Stiftung ein neues Format zu Themen der transformativen Forschung und Wissenschaft.
 

Reallabor "Quartier Zukunft – Labor Stadt"
Das städtische Labor ist ein über etwa 130 Jahre altes Quartier in der Karlsruher Oststadt. Das Forscherteam arbeitet eng mit der Bürgerschaft, Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und weiteren lokalen Akteuren vor Ort zusammen. Sie verknüpfen so wissenschaftliches Know-how mit lokalem Wissen und schaffen einen gemeinsamen Experimentierraum: "Unsere Gesellschaft wird sich nur nachhaltig entwickeln, wenn alle Beteiligten die Entwicklung mitgestalten", ist Projektleiter Oliver Parodi überzeugt. Innerhalb des Forschungs- und Entwicklungsprojekts "Quartier Zukunft – Labor Stadt" sollen in den kommenden Jahren erfolgversprechende, technische und gesellschaftliche Innovationen aus und mit dem KIT umgesetzt werden. Parodi ergänzt: "Die Bandbreite der Themen reicht dabei von der städtischen Energiewende über klimaverträgliches Alltagshandeln bis zur Entschleunigung unserer Lebenswelt."

Das Projekt wurde bereits im Jahr 2017 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mit dem Qualitätssiegel "Projekt Nachhaltigkeit 2017" und als eines von bundesweit vier "Transformationsprojekten" ausgezeichnet. Das Siegel macht Initiativen aus der Gesellschaft sichtbar, die einen besonderen Beitrag für nachhaltige Entwicklung leisten.
 

Verwendung des Preisgeldes
Das Projektteam will 10.000 Euro als Startkapital für den Förderverein des geplanten "Karlsruher Transformationszentrum für nachhaltige Zukünfte und Kulturwandel" einsetzen und damit Nachhaltigkeitsinitiativen aus der Zivilgesellschaft stärken. Rund 7.500 Euro will das Forscherteam für Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus dem Ausland einsetzen, die das Quartier Zukunft besuchen wollen, oder für Geflüchtete, die einen Bezug zur Transformationsforschung haben und sich eine Zukunftsperspektive in diesem Bereich aufbauen wollen. Das restliche Preisgeld ist für eine Mikrofinanzierung von Praxispartnern geplant, beispielsweise für eine Initiative zur Oststadt-Nachbarschaft, Wildbienen in der Stadt oder eine Plattform für lokal nachhaltigen Konsum.
 

Über den Forschungspreis "Transformative Wissenschaft"
Der Forschungspreis "Transformative Wissenschaft" zielt auf alle Formen der Forschung ab, die gesellschaftliche Impulse auslöst, gesellschaftlichen Wandel fördert und dabei die Zivilgesellschaft mit einbezieht. Eine bedeutende Rolle spielen dabei transdisziplinäre Forschungsdesigns. Dotiert ist der Preis mit 25.000 Euro. Dieses Geld kommt Preisträgerinnen und Preisträgern für Projektideen im Bereich ihrer transformativen Wissenschaft zugute. Neben dem Preisgeld von 25.000 Euro erhält das Gewinnerteam eine Skulptur, die aus den Stahl-Schienen der im Jahr 1898 erbauten Wuppertaler Schwebebahn geschmiedet wurde. Das Wuppertal Institut vergibt in diesem Jahr zum zweiten Mal den Forschungspreis, der von der Zempelin Stiftung im Stifterverband gefördert wird.

Zur siebenköpfigen Jury gehören: 

  • Prof. Dr. Claudia Hornberg 
    Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG 7 Umwelt und Gesundheit
  • Prof. Dr. Heike Köckler '
    Hochschule für Gesundheit, Dekanin Department of Community Health, Professorin Sozialraum und Gesundheit
  • Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras
    Universität Hildesheim, Institut für Biologie und Chemie, AG Ökologie und Umweltbildung
  • Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt
    Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich
  • Dr. Volker Meyer-Guckel
    stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung des Stifterverbandes, Leitung des Bereichs "Programm und Förderung"
  • Prof. Dr. Roland Scholz
    Chief Senior Scientist und Gastprofessor an der Donau-Universität Krems
  • Dr. Steffi Ober
    Initiatorin und Leiterin "Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende"

 

Pressekontakt

Anke Meis

ist Leiterin des Bereiches "Kommunikation & Marketing" im Deutschen Stiftungszentrum.

T 0201 8401-204
F 0201 8401-255

E-Mail senden

Ansprechpartnerin beim
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie:

Christin Hasken
Leitung Kommunikation
T 0202 2492-187
F 0202 2492-108
E-Mail senden

 

Das Wuppertal Institut erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Analyse und Induzierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden einen Schwerpunkt seiner Forschung. Im Fokus der Forschung des Wuppertal Instituts stehen Transformationsprozesse zu einer Nachhaltigen Entwicklung. Die Forschungsarbeiten hierzu bauen auf disziplinären wissenschaftlichen Erkenntnissen auf und verbinden diese bei der transdisziplinären Bearbeitung komplexer Nachhaltigkeitsprobleme zu praxisrelevanten und akteursbezogenen Lösungsbeiträgen. Problem, Lösungsansatz und Netzwerke sind dabei gleichermaßen global, national sowie regional/lokal ausgerichtet.

Die Zempelin-Stiftung im Stifterverband wurde 1993 von Liselotte und Hans-Günther Zempelin gegründet. Hans-Günther Zempelin war von 1975 bis 1985 Vorstandsvorsitzender des Wuppertaler Glanzstoffunternehmens ENKA AG. Übergeordneter Zweck der Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft und Bildung. Mit dem Förderpreis möchte die Zempelin-Stiftung eine sich an gesellschaftlichen Herausforderungen orientierende Wissenschaft unterstützen und vorantreiben. Das Deutsche Stiftungszentrum (DSZ) ist das Dienstleistungszentrum des Stifterverbandes für Stifter und Stiftungen. Das DSZ betreut derzeit über 670 rechtsfähige und nichtrechtsfähige Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von fast 3,1 Milliarden Euro. Für die Stiftungszwecke stehen den gemeinnützigen Stiftungen pro Jahr rund 120 Millionen Euro zur Verfügung. Seit über 60 Jahren betreut das DSZ Stifter in allen Fragen rund um die Stiftungserrichtung sowie gemeinnützige Stiftungen bei der Verwirklichung ihrer satzungsmäßigen Zwecke.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist mit über 9.000 Beschäftigten und einem Jahresbudget von knapp 800 Millionen Euro eine der weltweit größten Forschungs- und Lehreinrichtungen mit dem Potenzial, auf ausgewählten Forschungsgebieten eine weltweite Spitzenposition einzunehmen. Das Ziel: KIT wird eine Institution der Spitzenforschung und der exzellenten wissenschaftlichen Ausbildung sowie eine herausragende Stätte für akademisches Leben, lebenslanges Lernen, umfassende Weiterbildung, unbegrenzten Wissensaustausch und nachhaltige Innovationskultur.

Die Schader-Stiftung fördert seit 30 Jahren die Gesellschaftswissenschaften. Ihr Anliegen ist es, den Praxisbezug der Gesellschaftswissenschaften und deren Dialog mit der Praxis zu stärken. Zu diesem Zweck lädt die Schader-Stiftung Partner aus den Gesellschaftswissenschaften in ihr Stiftungszentrum nach Darmstadt ein, dialogorientierte Veranstaltungen in Kooperation durchzuführen.